Nikolina Klatt

Über die UNO zur FernUni

Foto: Nikolina Klatt
In der Assembly Hall der UNO: Nikolina Klatt arbeitete ehrenamtlich mit bei einer Jugendkonferenz.

Der Hauptsitz der Vereinten Nationen am United Nations Plaza in Manhattan hat Nikolina Klatt zum Studium an der FernUniversität in Hagen inspiriert: Politik-, Verwaltungswissenschaft und Soziologie an der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften. Die heute 34-jährige Deutsche lebt seit 2017 mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern in New York City. „Ich bin von Anfang an gern durch die Stadt gestromert und öfters an den Gebäuden der UNO vorbeigekommen. Das fand ich spannend und habe angefangen, mich mit der UNO zu beschäftigen“, erzählt Klatt, deren Kinder (2 ½ Jahre und 2 Monate) beide in NYC geboren sind.

Vor allem die 17 „Ziele für nachhaltige Entwicklung“ – 2015 im UN-Hauptquartier verabschiedet – faszinierten Klatt. Sie nahm an Konferenzen teil und rutschte so in die Programmplanung für eine Jugendkonferenz bei der UNO. „Die politischen und internationalen Dimensionen haben mich interessiert. Das wollte ich vertiefen. Gleichzeitig entwickelte sich die Idee, nochmal zu studieren.“ Nochmal. Denn Nikolina Klatt hat bereits einen Studienabschluss als Kunsthistorikerin.

Abschluss im Blick

Zunächst schrieb sie sich 2017 mit der Motivation ein: „Ich mache mal ein paar Kurse.“ Nun steckt sie im Bachelor-Abschluss an der FernUni und ist auf der Suche nach einem Thema für ihre Abschlussarbeit – am liebsten möchte sie die zu internationalen Beziehungen schreiben, etwa zu einem Vergleich zwischen USA und Deutschland.

„Die FernUni passt so gut zu meinen Lebensumständen. Ich profitiere von der Flexibilität. Prüfungen kann ich entweder im Goethe-Institut ablegen oder inzwischen auch von Zuhause aus. Das ist perfekt“, sagt Klatt. Nicht mal auf Kontakte zu anderen Studierenden muss sie verzichten. „Wir sind gut über eine Facebook-Gruppe vernetzt, tauschen uns darüber aus und lernen auch miteinander.“ Selbst den Campus hat sie trotz des fernen Fernstudiums kennengelernt: Aufgrund ihrer guten Noten und ihres Engagements bei der UNO bekommt sie ein Deutschlandstipendium. Im Januar 2020 nahm sie an einem Treffen in Hagen teil, nutzte die Zeit für einen Familienbesuch und die Teilnahme an einer Präsenzveranstaltung.

Paper zu Frauenrechten

Über einen Aufruf in einem wissenschaftlichen Nachrichtenverteiler ist sie außerdem einem Forschungsprojekt der TU München und NYU Abu Dhabi beigetreten: „CoronaNet“. Sie erläutert: „Wir codieren weltweit politische Maßnahmen gegen die Pandemie. Ich habe unter anderem den Part für den US-Bundesstaat New York.“ Mithilfe einer Art Crowdsourcing tragen über 500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit zu einem Datensatz bei über Gesetze, Verordnungen und sonstige Maßnahmen. So entsteht eine sehr umfassende Informationsquelle über staatliche Maßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Krise.

Die nehmen aktuell wieder Fahrt auf. Vor Ort in NYC sind die Klatts auch betroffen. Die Kita war geschlossen, sie bewegen sich nur noch in ihrem Umfeld. „Da sind wir allerdings auf Roosevelt Island sehr gut aufgehoben“, erzählt Klatt. „Es ist total zentral und es gibt viel Grün drumherum.“ Roosevelt Island liegt im East River auf Höhe der Upper East Side – und damit auch ums Eck vom Central Park.

Vom Studium lässt sich Nikolina Klatt dennoch nicht ablenken: Gemeinsam mit einer deutschen Wissenschaftlerin hat sie auch ein Paper zu Frauenrechten in der Pandemie geschrieben: Women’s Rights in Childbirth during the COVID-19 Pandemic”. Es befindet sich derzeit bei der Zeitschrift Cross-cultural Human Rights Review in Begutachtung.

Ihren Abschluss an der FernUni will sie bis zum Sommer 2021 fertig haben. Dann geht es für die ganze Familie nach Deutschland zurück: Ihr Mann ist Mediziner und Krebsforscher. Über ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft sind sie für die Zeit von 2017 bis 2021 in NYC.

Master geplant

Davor hat Nikolina Klatt auch schon Erfahrungen im Ausland gesammelt. Die gebürtige Ulmerin ging zum Studieren nach Wien. „Kunstgeschichte in Wien…das habe ich sehr genossen“, schwärmt sie von der kulturellen Vielfalt der österreichischen Hauptstadt. Außerdem studierte sie Anglistik und kam im Rahmen eines Erasmusprogramms für zwei Auslandssemester nach Edinburgh. Für ihre Diplomarbeit zum Thema englische Malerei hielt sie sich eine Weile in London auf.

Kommt man angesichts diverser Stationen im Ausland gern nach Deutschland zurück? „Ja und nein“, lacht sie. „Ich schätze das soziale Netz in Deutschland.“ Die US-amerikanischen Verhältnisse haben ihre Perspektive verändert. „Für die Jungs ist Manhattan Heimat, für uns als Eltern dadurch auch ein Stück.“ Ein wenig Wehmut schwingt mit, wenn sie an den Abschied aus der Metropole denkt.

Deshalb wünscht sich Nikolina Klatt, dass sie wieder in eine große Stadt ziehen: Berlin vielleicht. „Das würde mich freuen.“ Denn ein weiterer Plan steckt schon in ihrer Schublade: Sie möchte einen Master in Politik anhängen – entweder an der FernUniversität oder an der FU Berlin.