Was wünschen sich junge Menschen in Hagen?
Politisch haben Jugendliche oft eigene Vorstellungen. Was erhoffen sie sich für die Entwicklung ihrer Stadt? Darum dreht sich der nächste Politische Salon im Jugendtheater Lutz.
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Mehr öffentliche Orte, die zum Chillen einladen, fröhliche Festivals oder ein lebendigerer Austausch zwischen den verschiedenen Kulturen – fragt man Jugendliche nach ihren Wünschen für die Stadtentwicklung, kommen teils andere Antworten als Erwachsene vielleicht erwarten würden. Doch für die Zukunft der Stadt ist es unerlässlich, die Stimmen der jungen Bürger:innen wahrzunehmen. Was liegt ihnen am Herzen? Wie stark ist ihr politisches Interesse überhaupt? Wie finden sie sich in etablierten Strukturen zurecht?
Der Politische Salon Hagen lädt zur Diskussion darüber ein – und bringt junge und ältere Gruppen der Stadtgesellschaft miteinander ins Gespräch. Am 13. März findet der nächste Teil des Dialogformats unter dem Titel „Jugend und Politik“ im Jugendtheater Lutz statt. Von 18 bis 20 Uhr. Am 13. Februar startet die Anmeldung. Veranstaltet wird die Reihe von der FernUniversität in Zusammenarbeit mit dem Theater Hagen und dem Emil Schumacher Museum Hagen.
Impulse für die aktuelle Veranstaltung kommen sowohl von der aktuellen Shell-Jugendstudie als auch vom Hagener Denklabor für die Zukunft. Dieser Workshop brachte als gemeinsames Projekt der FernUniversität und des Unternehmer Rats Hagen rund 20 Jugendliche auf den Campus zusammen. Begleitet von Forschenden und Unternehmern arbeiteten sie Ideen für die Zukunft der Stadt aus. Flankiert wurde der Workshop zudem von einer Online-Umfrage unter jungen Menschen aus Hagen, umgesetzt von den FernUni-Forschenden Dr. Sarina Schäfer (Lehrgebiet Psychologische Methodenlehre und Evaluation), Dr. Anja Böning (In Iure - Arbeitsbereich Gender im Recht) und Dr. Fabian Fechner (Lehrgebiet Geschichte Europas in der Welt). Mitgemacht hatten 285 14- bis 24-Jährige.
Fragen sehr ernst genommen
„Wir haben quantitative und qualitative Fragen ergänzend benutzt“, erklärt Sarina Schäfer, die die Studie federführend ausgewertet hat. „In den offenen Fragen haben sich viele Jugendliche richtig Zeit genommen und sich Gedanken gemacht.“ Die meisten Teilnehmenden sind auf dem Gymnasium und aus Haushalten, die finanziell gut zurechtkommen. Hier sieht die Forscherin noch Verbesserungspotenzial: „Beim nächsten Mal sollten wir versuchen, noch stärker andere Zielgruppen zu erreichen.“ Aufschlussreich sind die Ergebnisse dennoch. „Spannend ist, dass dem Jugendlichen nicht unbedingt dieselben Themen wichtig sind wie den Erwachsenen“, bestätigt Schäfer.
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Was bewegt die Jugendlichen?
Die Wissenschaftlerin unterstreicht, wie engagiert die Teilnehmenden bei der Sache waren: „Oft wird nur schlecht von Jugendlichen berichtet. Es hat gutgetan, zu sehen, dass ihnen Hagen am Herzen liegt und sie viele coole Ideen haben.“ Viele engagieren sich zwar oder können sich ein Engagement vorstellen – allen voran im Sportverein, in Familie und Nachbarschaft oder im Naturschutz. In politische Partizipationsräumen wie Parteien oder dem Jugendforum sind die die jungen Menschen sehr selten aktiv. Die Mehrheit hat zudem das Gefühl, ohnehin kaum Einfluss auf die kommunale Politik nehmen zu können. Hier lohnt es sich neu zu denken und frische Konzepte zu entwickeln, wie sich die Jugendlichen gewinnen lassen, stellt Sarina Schäfer heraus: „Auf der einen Seite gibt es Angebote der Stadtgesellschaft, wie Jugendhäuser oder auch die Jugendorganisationen der Parteien – auf der anderen Seite auch den Wunsch der Jugendlichen nach solchen Räumen und die Bereitschaft sich zu engagieren. Aber es wird deutlich, dass wir neue Ideen brauchen um diese Seiten zusammenzuführen.”
Imagefrage: Stolz auf Hagen sein
Mit Hagen, ihrer Heimatstadt, möchten die Jugendlichen selbstbewusst umgehen, herausstreichen, was sie zu bieten hat. „Die Stadt wird viel zu oft schlechtgeredet.“ Wichtige Stichworte sind hier etwa: Mehr Austausch zwischen den Kulturen, bunte Fassaden, Vielfalt, mehr Events und Orte zum Verabreden und Entspannen in der Stadt. Aber auch Komponenten wie öffentliche Sicherheit spielen eine Rolle. Denn entgegen manchen Vorurteilen zieht es die Jugendlichen sehr wohl nach draußen, auch in den Hagener Wald. Sie haben offenbar Lust auf Leben, Austausch, Lernen und Kommunikation. „Lasst uns das Potenzial von Hagen doch wirklich mal nutzen und stolz drauf sein. Auch mit wenig Geld lässt sich das, was Hagen hat, sichtbar machen!“, fasst Sarina Schäfer die Vorstellung der Umfrageteilnehmer:innen zusammen „Das Image der Stadt, ist der Bereich, in dem die Jugendlichen den größten Verbesserungsbedarf sehen.“
Nächste Haltestelle: Politischer Salon
„Hier gibt es großen Kommunikationsbedarf, mit den jungen Menschen in unserer Stadt, aber auch mit den etablierten Säulen der Stadtgesellschaft“, wirbt sie für die Teilnahme am Politischen Salon. „Ansonsten geht uns allen viel Innovationspotenzial verloren.“ Das Forscher:innen-Team vom Hagener Denklabor setzt sich zudem dafür ein, den Austausch mit der Uni weiter auszubauen: „Wir wollen Wissenschaft für junge Menschen in Hagen nahbarer machen. Das heißt, unsere Ergebnisse nach draußen zu tragen – und gleichzeitig zu hören, was die Stadtgesellschaft bewegt.“
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