Re-Considering Violence

Bei einer Konferenz zu Belarus kamen am Campusstandort Berlin 60 Akteurinnen und Akteure aus den Bereichen Forschung, politischer Aktivismus und kulturelle Bildung zusammen.


Die Konferenz „Re-Considering Violence“ brachte am Berliner Campus der FernUniversität in Hagen 60 Akteurinnen und Akteure aus den Bereichen Forschung, politischer Aktivismus und kulturelle Bildung aus Belarus, der Ukraine, Polen, Litauen und Deutschland zusammen. Gemeinsam diskutierten sie die Auswirkungen der seit dem Sommer 2020 verstärkten staatlichen Repressionen in der Republik Belarus auf neue Formen symbolischer und physischer Gewalt gegen belarussische Bürger:innen.

Gruppenbild Foto: Dzmitry Brushko
Historiker:innen, Aktivist:innen, Psycholog:innen, Bildungsspezialist:innen – die Teilnehmenden im Innenhof des Neuen Kranzler Ecks am Campus Berlin der FernUniversität.

Ausgangspunkt für die Tagung war die Überlegung, dass die Ausweitung der russischen Kampfzone in der Ukraine im Februar 2022 den Kontext für die Erforschung der Gegenwart und Geschichte von Gewalt im östlichen Europa verändert. Die Diskussionen fanden mit Blick auf die Zugstrecke des Berlin-Warszawa-Express statt, die in Sichtweite des Neuen Kranzler Ecks vorbeiführt, dem Sitz des Berliner Campus der FernUniversität. Von hier sind es nur 800 Kilometer zur polnisch-belarussischen Grenze. Jenseits dieser Außengrenze der Europäischen Union liegen Gefängnisse, in denen heute über 1.400 politische Gefangene rechtswidrig festgehalten werden.

Wichtig für das Gelingen der Konferenz war, dass sowohl im Exil wirkende Wissenschaftler:innen beteiligt waren als auch Aktivist:innen, die weiterhin in Belarus leben und arbeiten. Dadurch wurde deutlich, dass es auch nach dem Exodus von über 150.000 Menschen aus Belarus weiterhin eine belarussische Gesellschaft im Land gibt.

In Kontext des russischen Angriffskrieges war es bedeutsam, dass die Tagung auf Belarussisch und Englisch abgehalten wurde. In mehreren Panels wurde herausgestellt, dass der Krieg auch an einer Public History Front geführt wird. An dieser kommen Interpretationen der Vergangenheit als ideologische Munition im Kampf um die Deutungshoheit in der Gegenwart zum Einsatz. Zentral sind dabei Plattformen wie Telegram.

Die Tagung war eine Kooperation des Forums für Historische Belarus-Forschung, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde, des Lehrgebiets Public History an der FernUniversität sowie der Washington University in St. Louis und der Universität Bremen. Sie wurde mit Mitteln der Heinrich-Böll-Stiftung sowie des Auswärtigen Amtes gefördert. Das Organisationskomitee bestand aus: Felix Ackermann (Hagen), Alesja Belanovich-Petz (Berlin), Aliaksei Bratachkin (Hagen), Iryna Kashtalian (Bremen/Buchenwald), Iryna Ramanava (Gießen / Vilnius) und Anika Walke (St. Louis).

presse | 15.11.2023