Vom Zwang zur Kür: Wie das Fernstudium den Kopf für Neues öffnet
Bachelor für die Karriere, Master für den Blick über den Tellerrand
Willkommen im Klub. Der Bachelorabschluss in Bildungswissenschaft war für Sabine Nagl aus Wuppertal die Eintrittskarte, um ihren Job frei wählen zu können und deutlich mehr zu verdienen. „Für mich war das wie ein Klubausweis. Ich brauchte den Abschluss für meine berufliche Karriere“, erzählt die 61-Jährige. „Vorher war der fehlende akademische Abschluss wie eine unsichtbare Barriere.“ Zahlreiche Bewerbungen der Hauswirtschaftsmeisterin und Erzieherin für interessante Stellen scheiterten an dieser Hürde.
Daher entschied sich Sabine Nagl mit 49 Jahren für ein Studium an der FernUniversität in Hagen. Eine Entscheidung, die innerhalb von dreieinhalb Jahren ihr Leben verändert hat. Der Bachelor-Abschluss verhalf ihr zu ihrem heutigen Job als Fachberaterin im Kinderschutzbund NRW. „Indem wir Familien stärken, unterstützen wir gleichzeitig Kinder und Jugendliche“, sagt Sabine Nagl über ihre Arbeit. Als Ansprechpartnerin in der Familienselbsthilfe für die Orts- und Kreisverbände bringt sie drängende Fragen und Probleme aus der Praxis in die Landespolitik ein. „Mir gefällt es, in den Gremien Einfluss zu nehmen und Dinge auch mal auf den Kopf zu stellen.“

Vom Zwang zur Kür
Mit dem Jobwechsel war für Sabine Nagl das Thema Studium eigentlich abgehakt. Doch dann trat recht schnell ein, was sie nicht für möglich gehalten hatte: Ihr fehlte das Fernstudium. „Dass ich mal einen Master mache, hätte ich nie gedacht“, gibt Sabine Nagl offen zu. Denn das Bachelorstudium war für die berufstätige Mutter von zwei Kindern eine herausfordernde Zeit. „Das waren schon schwierige Jahre. Doch ohne das Studium wurde mir langweilig. Ich habe den Input und den Blick über den Tellerrand vermisst.“ Also schaute sich Sabine Nagl das Studienangebot der FernUni nochmal genauer neu an. Der Funke sprang über beim Master Geschichte Europas. Und ihr Studium wurde vom Zwang zur Kür. „Der Blick in die Geschichte öffnet den Kopf für andere Möglichkeiten und ist Basis für gesellschaftliche Veränderungen“, sagt sie über ihre Motivation. Für ihre Arbeit im Kinderschutz bedeute das konkret, auch Erkenntnisse aus der Kindheitsgeschichte einzubeziehen.
Aktuell bereitet Sabine Nagl bereits ihre Masterarbeit zur Kindheit in Missionsgesellschaften des 19. Jahrhunderts vor. „Beim Blick in die Archive geht es auch immer darum zu verstehen, wie eine Gesellschaft in der jeweiligen Zeit getickt hat“, sagt sie. Was nach dem Master kommt, weiß sie aktuell noch nicht. Ideen hat sie viele. Weiter forschen möchte sie auf jeden Fall. Im Ruhestand könnte sie sich das ehrenamtlich in historischen Projekten vorstellen und würde zudem ihr gesellschaftliches Engagement für Bildung, Nachhaltigkeit und in der Jugendhilfe weiter ausbauen.

"Kopp" auf für nachhaltige Entwicklung
Für Ausgleich sorgt aktuell neben ihren sechs Enkelkindern die von ihr mitgegründete Wuppertaler Initiative „Kopp auf“ für nachhaltige Entwicklung in Ökologie, Ökonomie und Kultur. „Nach Corona, Flut, Krieg und politischem Rechtsruck sieht die Welt anders aus“, sagt Sabine Nagl. „Gerade deswegen regen wir mit Veranstaltungen dazu an, zuversichtlich zu bleiben und den ‘Kopp‘ offen zu lassen.“
Den eigenen Kopf für Neues geöffnet hat im Fernstudium ihr Mut, Neues zu wagen und Dinge auch mal bewusst anders zu machen. „Uniformität nimmt einem die Möglichkeit sich auszuprobieren“, sagt Sabine Nagl. „Ich habe mich daher von der Fixierung auf Noten frei gemacht. Das hat sich ausgezahlt.“ Auch in ihrem Notenspiegel zeichne sich das ab. Von 1,3 bis 4,0 war alles dabei. „Diese Freiheit gibt mir die Möglichkeit, das Ziel anders zu setzen. Ich will eine gute Bildungswissenschaftlerin und eine gute Historikerin sein“, erklärt sie. „Wenn ich auf dem Weg dahin, mal eine schlechtere Note kassiere, ist das notwendiges Lehrgeld.“
Darüber hinaus schwört Sabine Nagl auf den Austausch in Präsenzveranstaltungen und in Lerngruppen: „Das schweißt zusammen und motiviert.“ Fernstudierenden und denen, die es werden wollen, gibt sie mit auf den Weg: „Einfach anfangen und weitermachen, auch wenn es zwischendurch mal nicht so gut läuft.“
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