Linda Glawe

Eine wirtschaftswissenschaftliche Dissertation an der FernUniversität kann man in weniger als vier Jahren schaffen. Für die Note „Summa cum Laude“ braucht man im Allgemeinen länger. Linda Glawe hat ihren Doktortitel nach weniger als zwei Jahren und zehn Monaten… Nein, jetzt einfach zu sagen: „in der Tasche“ klingt zu sehr nach „leicht“. Denn die Wissenschaftliche Mitarbeiterin am volkswirtschaftlichen Lehrstuhl Makroökonomie ihres Doktorvaters Prof. Dr. Helmut Wagner betont: „Eine gute Promotion ist immer harte Arbeit. Zeitweise stand ich ganz schön unter Druck.“

Eine Frau blickt stehend in die Kamera, auf der anderen Hälfte des Bildes liegt diese Frau im Ballettkleid auf dem Boden. Dabei stützt sie sich mit den Händen ab. Auf dem Kopf trägt sie einen Doktorhut. Foto: FernUniversität (li.), Wiebke Rompel
Ihre wissenschaftliche Arbeit und die Dissertation einerseits und das Ballett andererseits gehören für Linda Glawe zusammen.

Dennoch hat ihr die Arbeit mit dem Titel „The Growth Slowdowns in Emerging Market Economies – The Concept of the Middle-Income Trap; with a special focus on the Chinese Economy“ Spaß gemacht: „Ich wusste, warum ich das mache, und freue mich, dass ich zu realen Problemen einen Beitrag leisten kann.“ In der Dissertation geht es um die Wachstumsverlangsamung in Schwellenländern. Ein Thema mit vielen Bezügen.

In strukturiertem Arbeiten und ihrem Zeitmanagement liegt für Dr. Linda Glawe ein zweiter Grundstein ihres Erfolgs. Sie hat sich jeden Monat, jede Woche einen groben Plan gemacht von dem, was zu tun war, und nachgehalten, was sie erreicht hat: „Eine Promotion ist ein weitgestecktes Vorhaben. Ich habe mir immer ‚Meilensteine‘ gesetzt – einen Artikel oder wenigstens einen Absatz – und nicht einfach drauflosstudiert.“ Ihre kumulative, also publikationsorientierte Dissertation bestand aus sieben einzelnen Artikeln, wovon einige bereits in renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht wurden: „Jeder Artikel baute auf dem vorherigen auf, ich habe immer wieder neue Ideen und Ansätze gehabt.“

So behielt sie auch den Überblick und konnte sich über Zwischenerfolge freuen: „Damit habe ich mich immer wieder selbst motiviert. Das war für mich besser, als mich nur am Ende des gesamten Promotionsprojektes – vor dem ich schon einigen Respekt hatte – freuen zu können.“ Dafür war es auch wichtig, schon früh eine konkrete und interessante Fragestellung zu haben, der sie mit ihrer wissenschaftlichen Neugier nachspüren konnte.

Es gab aber auch noch einen mindestens ungewöhnlichen Erfolgsfaktor: Ballett. Während ihres Bachelorstudiums absolvierte die 1992 geborene Gelsenkirchenerin in Düsseldorf eine Ausbildung zur Bühnentänzerin und Tanzpädagogin und unterrichtete Kinder verschiedenen Alters. „Es ist wichtig, einen Ausgleich zu haben, ohne ein privates Leben funktioniert es nicht. Ein Hobby hilft, die Balance zu halten und ‚abschalten‘ zu können, wenn man nicht weiterkommt. Ballett ist für mich sogar mehr als ein Hobby.“ Und zwar eines, das – bei aller Unterschiedlichkeit – zwei Eigenschaften fordert, die auch für die Forschung große Bedeutung haben: Kreativität und Ausdauer.

Mit 17 Start im Akademiestudium

Ins Studium an der FernUniversität geschnuppert hatte Linda Glawe schon mit 17 Jahren, also vor dem Abitur, mit einem Akademie-Kurs: „Das FernUni-Konzept passte perfekt zu meinem Leben.“ Noch bevor sie das dem Bachelor folgende Masterstudium in Hagen mit Auszeichnung abschloss, wurde sie im März 2015 wissenschaftliche Hilfskraft bei Prof. Wagner, anschließend Wissenschaftliche Mitarbeiterin. Zudem forscht sie seit Februar 2016 am Hagener Center for East Asia Macroeconomic Studies (CEAMeS).

Fernziel FernUni-Professorin

Durch ihre Orientierung auf Teilthemen ergaben und ergeben sich immer wieder neue Fragen und Ansatzpunkte. Ihre Arbeit ist also noch lange nicht abgeschlossen. So beschäftigt sich Linda Glawe in ihren aktuellen Projekten zwar weiterhin mit der chinesischen Volkswirtschaft, rückt aber auch verstärkt Europa in den Fokus Ihrer Forschung und knüpft damit an ihre Masterarbeit an.

Der Promotion soll nun die Habilitation folgen, später eine Professur. Am liebsten an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, die ihr in der schriftlichen wie in der mündlichen Promotionsprüfung jeweils die „Nullkommanull“ – die beste Note – gegeben hat.

Gerd Dapprich | 17.04.2019