Eine Medaille zu Sigmund Freuds 50. Geburtstag

„Er löste das berühmte Rätsel …“

Schaufenster zum Forschungsarchiv Nr. 21

freudbild1freudbild2
Foto: Fernuniversität Hagen
Foto: Fernuniversität Hagen
Freud-Medaille zu seinem 50. Geburtstag 1906 (Verz. BDM. V/441, Wurzbach. 2797, Storer 1127.) PGFA, Bestand H.E.L.

Zu seinem 50. Geburtstag am 6. Mai 1906 wurde Sigmund Freud von Schülern und Verehrern mit einer künstlerisch anspruchsvollen Gedenkmedaille überrascht. Überliefert ist, dass Freud bei der Überreichung der Medaille blass und unruhig wurde und mit erstickter Stimme fragte, wer diese Idee gehabt habe. Die Idee einer Gedenkmedaille hatte Freuds Schüler Ernst Federn gehabt.

Der Entwurf der Bronzemedaille stammte von Carl Maria Schwerdtner Jun. Die Vorderseite zeigt ein Portrait Freuds und die Inschrift „SIEGMVND (sic!) FREVD WIEN MCMVI“ sowie „C. M. SCHWERDTNER JVN.“ Die Rückseite zeigt – in Anspielung auf Freuds Ödipus-Theorie – Ödipus und Sphinx. Dazu die griechische Inschrift aus dem König Ödipus von Sophokles: „Er löste das berühmte Rätsel und war ein gar mächtiger Mann.“ Dieses Zitat kannte Freud gut. Als Student hatte er sich nämlich vorgestellt, dass seine Büste mit diesem Zitat einmal in der Universität neben denen der Professoren stehen würde. Ob Federn Freuds Phantasien kannte? Jedenfalls hing Sigmund Freuds Erschrecken sicher damit zusammen, dass die Inschrift zufällig oder sogar absichtlich seinen geheimen Wünschen entsprach.

H.E.L

Gerhard Tübben | 09.07.2020