Aktuelle Projekte

Deutsche Outbound-Investitionen in der digitalen Wirtschaft – eine steuerplanerische Analyse

In den letzten Jahren haben die Steuergestaltungsstrategien einiger international tätiger US-Großkonzerne für viel Aufsehen gesorgt. Ermöglicht wurden die Gestaltungen durch dem amerikanischen Gesetzgeber bekannte Steuerschlupflöcher, deren Nichtbeseitigung als eine politisch gewollte steuerliche Exportsubvention durch die Vereinigten Staaten gewertet werden kann. Dies hat gravierende Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten von Unternehmen anderer Jurisdiktionen, wie etwa deutschen Unternehmen, zur Folge.

Andererseits werden aber auch die Eigenschaften der sog. digitalen Wirtschaft, auf die die bisherigen steuerlichen Grundsätze nicht ohne weiteres übertragen werden können sollen, als ursächlich für die zu beobachtenden Besteuerungsrückgänge ausgemacht.

Diesen Befund nimmt Christoph Hintzen in seinem Promotionsvorhaben zum Anlass zu untersuchen, inwieweit auch deutsche Unternehmen der digitalen Wirtschaft durch internationale Steuerplanung ihre eigene Steuerbelastung reduzieren und damit die rechtlich bedingten Wettbewerbsverzerrungen kompensieren können.


Die GKKB-Aufteilungsfaktoren – Theoretische Fundierung unter besonderer Berücksichtigung der Wertschöpfung

Die Diskussion über die Einführung einer GKKB innerhalb der Europäischen Union besteht schon seit Jahrzehnten. Fraglich ist seit jeher, welche Faktoren in einer Gewinnaufteilungsformel heranzuziehen sind und wie diese gewichtet werden sollen. Hinsichtlich der theoretischen Fundierung der Faktoren besteht keine klare Linie, zentral erscheint jedoch die Forderung, die Gewinnaufteilung gerecht auszugestalten.

Nach Ansicht der EU-Kommission (Richtlinienvorschlag 2016, COM 683 final, S. 2) wäre die Gewinnaufteilung gerecht, wenn Unternehmensgewinne dort besteuert würden, wo die Wertschöpfung stattfindet. Die Faktoren Arbeit, Kapital und Umsatz würden diese Voraussetzung erfüllen. Eine nähere Konkretisierung dieses Zusammenhangs erfolgt jedoch nicht. Das ist auch insofern problematisch, als dass dieses Formeldesign der GKKB nicht den steuerlichen Herausforderungen der Digitalisierung genügt.

Dr. Sandra Müller-Thomczik möchte mit ihrem Habilitationsprojekt zur Forschung an einem sachgerechten GKKB-Format zur politischen Diskussion über die formelhafte Gewinnaufteilung auf Ebene der EU beitragen. Hierfür möchte sie klären, ob und wie sich die GKKB-Aufteilungsfaktoren über den Begriff der Wertschöpfung theoretisch fundieren lassen. Eine der zentralen Fragen ist dabei, was im Kontext der GKKB unter Wertschöpfung zu verstehen ist. Die Beantwortung dieser Frage ist Voraussetzung für Aussagen zur Auswahl, zur inhaltlichen Bestimmung und zur Gewichtung der GKKB-Aufteilungsfaktoren.


Die wirtschaftliche Betrachtungsweise im Kontext der steuerlichen Gewinn- und Einkommensermittlung

Nach h. L. und st. Rspr. kommt in sämtlichen Rechtsgebieten, in denen wirtschaftliche Vorgänge bzw. Zustände geregelt werden, die sog. wirtschaftliche Betrachtungsweise zur Anwendung. Sie gilt demnach insbesondere in den (Teil-)Rechtsgebieten Zivilrecht, Handelsbilanzrecht und Steuer(bilanz)recht.

Die wirtschaftliche Betrachtungsweise gilt heute als rechtliche Betrachtungsweise. Trotz des rechtsmethodischen Rahmens ist ihre Anwendung äußerst unklar. Bezüglich des Anwendungsbereichs, des Inhalts und der Verortung der wirtschaftlichen Betrachtungsweise bestehen in der Literatur sowohl zwischen den Rechtsgebieten als auch innerhalb eines Rechtsgebietes erhebliche Meinungsunterschiede.

Im Rahmen der steuerlichen Gewinn- und Einkommensermittlung sind die genannten Rechtsgebiete in vielfacher Weise miteinander verknüpft. Bislang existieren keine Arbeiten, in denen die wirtschaftliche Betrachtungsweise rechtsgebietsübergreifend im Kontext der steuerlichen Gewinn- und Einkommensermittlung untersucht wurde.

Im Rahmen seines Promotionsprojektes möchte Marvin Osterspey einen Beitrag zur Konkretisierung der wirtschaftlichen Betrachtungsweise leisten, indem die wirtschaftliche Betrachtungsweise im Kontext der steuerlichen Gewinn- und Einkommensermittlung umfassend analysiert wird.


Steuerplanung im Rahmen des Management-Buy-Outs

Gesellschaftliche Entwicklungen wie der demografische Wandel führen auf der einen Seite zu einem Anstieg der Anzahl übergabereifer Unternehmen, reduzieren auf der anderen Seite aber auch die Anwendungsfälle der gegenwärtig noch mehrheitlich angestrebten familieninternen Unternehmensnachfolge. In den Fokus rücken somit alternative Nachfolgelösungen, insbesondere der Verkauf an dem Alteigentümer vertraute und gleichermaßen geschäftskundige Personen – an leitende Mitarbeiter.

Als Übertragungsform zwischen der familieninternen und unternehmensexternen Unternehmensnachfolge macht sich der Management-Buy-Out die mit der unentgeltlichen und entgeltlichen Unternehmensübertragung verbundenen Gestaltungsansätze zu eigen, kombiniert und erweitert diese.

Lukas Reiter nimmt diese Umstände zum Anlass, um im Rahmen seines Promotionsvorhabens die mit den verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten verbundenen Steuerbelastungen aufzuzeigen und Aussagen über die steueroptimale Ausgestaltung eines Management-Buy-Outs abzuleiten.


Die Kosten der Inanspruchnahme steuerlicher Wahlrechte

Durch die Ausübung steuerlicher Wahlrechte räumt der Gesetzgeber den Steuerpflichtigen die Möglichkeit ein, die Höhe ihrer Steuerlast zu beeinflussen. Wirtschaftlich sinnvoll ist dies aus Sicht der Steuerpflichtigen jedoch nur dann, wenn die durch die Ausübung des Wahlrechts verursachten Kosten den daraus generierbaren Nutzen nicht übersteigen. Bei der Entscheidung für oder gegen die Ausübung eines steuerlichen Wahlrechts sollte also im Vorfeld eine entsprechende Kosten-Nutzen-Abwägung durchgeführt werden.

Es ist jedoch festzustellen, dass die konkrete Ermittlung der verursachten Kosten in der Literatur bisher nicht explizit behandelt worden ist. Diese Forschungslücke möchte Johanna Serocka im Rahmen ihres Promotionsprojektes schließen. Dabei strebt sie die Beantwortung folgender Forschungsfragen an:

  • Welche Kosten sind im Rahmen der Ausübung der steuerlichen Wahlrechte zu berücksichtigen?
  • Wie lassen sich diese Kosten quantifizieren?
  • Können allgemeingültige Aussagen zur Wirtschaftlichkeit einzelner steuerlicher Wahlrechte getroffen werden?
Lehrstuhl Meyering | 06.05.2020