14. Studienwoche Literatur- und Medienwissenschaft 2020

Seminar: Fürchte die lebenden Toten

Leitung: Carolin Rolf, M.A.

Termine: Dienstag, 26. Mai bis Freitag, 29. Mai, jeweils von 09:15-10:45 Uhr

Raum: Wird noch bekannt gegeben.

Erläuterungen:

Zombies haben ihren Ursprung in der haitianischen Kultur und bedeuten nicht nur absoluten Horror, weil sie sich schon aufgrund ihres Oxymorons ‚lebendige Tote‘ dem Ordnungssystem widersetzten. Sie treten oft in Horden auf, greifen ihre Opfer wahllos an und müssen bei ihren Attacken keinerlei Rücksicht auf die Unversehrtheit ihres eigenen Körpers nehmen. Im Gegenteil! Sie demonstrieren mit jedem Auftritt den Verfall des menschlichen Körpers. Die Beliebtheit des kannibalistischen Wiedergängers im Horrorgenre basiert nicht allein auf seinem Aussehen, die Wahl seiner Nahrungsquelle oder Erbarmungslosigkeit, sondern zudem auf schier endlosen Möglichkeiten metaphorische Bedeutungen zu kreieren.

Fand die sog. erste Welle des Zombiefilms, eingeleitet durch Victor Halpertins White Zombie (USA 1932), noch im exotischen Haiti statt, wobei der Zombie stellvertretend für Ängste vor Armut und Ausbeutung, die durch die Weltwirtschaftskrise ausgelösten wurde, importierte die zweite Welle, bei der in erster Instanz George A. Romeros Night of the Living Dead (USA 1968) zu nennen ist, den Schrecken direkt vor die Haustür der US-amerikanischen Kleinstadt und reflektiert u. a. Invasionsängste, den Vietnamkrieg, die Angst vor der Atombombe sowie den Zerfall der US-amerikanischen Kernfamilie.

Gegenwärtig sind Zombies in allen Mainstream Medien zu finden - Videospiele, Bücher, Comics, Fernsehen, etc. –, wobei nicht nur Diversifizierung von Absatzmärkten, sondern auch neue Metaphern, die Abkehr vom Horrorgenre hin zur Parodie, RomCom, etc. zu erkennen sind. Spätestens mit Bruce LaBruce Porno L.A. Zombie (USA 2010) ist auch das letzte Tabu um Zombies – die sexualisierte Darstellung ihrer Körper und Zombiesex – gefallen.

Der Fokus des Seminars liegt auf kulturwissenschaftlichen, queer- und monstertheoretischen Fragestellungen, wobei an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen werden muss, dass im Seminarkontext explizite Gewalt- und Sexszenen gezeigt werden.

Anfragen zu dieser Veranstaltung richten Sie bitte an Carolin Rolf, M.A..



Webredaktion | 13.01.2020