DigiLead: Führung in der digitalen Arbeitswelt

Ziel von DigiLead sind wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Handlungshinweise zum Thema Führung in digitalen Arbeitswelten.

Es wird untersucht, wie Führungskräfte Ihre Rolle im Rahmen hybrider Arbeitsmodelle verstehen, anpassen und gestalten. Außerdem wird adressiert, welche Kompetenzen Führungskräfte benötigen, um digitale Teams erfolgreich zu führen und welche Rolle die Gestaltung konkreter Arbeitsbedingungen dabei spielt.

  • Führungskräfte haben als Schlüsselpersonen starken Einfluss auf die Gestaltung von digitalen Arbeitwelten (Antoni & Syrek, 2017).

    Als Rollenvorbilder repräsentieren sie Werte und Normen der Organisation (Koch & Binnewies, 2015) und gestalten die Arbeitsbedingungen ihrer Teams (Vincent-Höper & Stein, 2019). Darüber hinaus nehmen Führungskräfte in der direkten Interaktion mit Ihren Mitarbeiter*innen Einfluss auf verschiedenste individuelle, teambezogene und organisationale Faktoren (Arnold, 2017).

    Zeit- und ortsflexible Arbeitsmodelle und die zunehmende Digitalisierung bergen neue Herausforderungen und Möglichkeiten für Führungskräfte, die jedoch noch nicht hinreichend erforscht sind (Cortelazzo et al., 2019).

    Während Beschäftigte flexibles Arbeiten überwiegend positiv einschätzen, berichten Führungskräfte von erheblichen Mehraufwänden in Bezug auf Koordination und Konfliktmanagement (Hofmann et al. 2021). Was dies für die Veränderung der Führungsrolle- und Erwartungen bedeutet sowie für die Arbeitsgestaltung der Mitarbeiter*innen und der Führungskräfte selbst, soll im Rahmen des Forschungsprojektes untersucht werden.

    Zentrale Forschungsfragen

    1. Welche Arbeitsbedingungen sind zentral für die erfolgreiche Bewältigung von Führungsaufgaben in hybriden Arbeitskontexten?
    2. Mit welche (neuen) Führungsanforderungen sehen sich Führungskräfte konfrontiert?
    3. Welche Rolle können hybride Arbeitsgestaltungskompetenzen in der Führungskräfteentwicklung spielen?

    Methodisches Vorgehen

    Methodisch wird ein Multi-Method-Ansatz mit qualitativen und quantitativen Elementen gewählt.

    Phase 1: Qualitative Studie anhand von 33 Expert:innen-Interviews mit Führungskräften

    Phase 2: Quantifizierung mit Hilfe einer Online-Fragebogenstudie in hybrid arbeitenden Teams aus unterschiedlichen Unternehmen und Organisationen

    Phase 3: Entwicklung eines wissenschaftlich fundierten Weiterbildungsangebot

  • ... zu den zentralen Forschungsfragen

    Aus den durchgeführten Expert:innen-Interviews konnte herausgearbeitet werden, welche Arbeitsbedingungen Führungskräfte selbst benötigen, um ihre Führungsaufgaben angemessen im hybriden Kontext bewältigen zu können.

    Führungskräfte berichteten hier vor allem von zunehmender Arbeitsintensität und Mehraufwänden hinsichtlich der Arbeitsorganisation als Herausforderung, während die Flexibilität und soziale Unterstützung als wertvolle Ressourcen herausgestellt wurden.

    Besonders zentral für die hybride Arbeit ist der organisationale Rahmen in Form von Unterstützungsangeboten, Organisationskultur und der Handhabung von Veränderungsprozessen (Stempel, 2022). Darüber hinaus sehen sich Führungskräfte mit einer Verlagerung der Führungsanforderungen konfrontiert. Durch die verminderte Sichtbarkeit der einzelnen Teammitglieder gewinnt Arbeitsgestaltung an Bedeutung. Insbesondere Aufgaben der Koordination und Kommunikationsgestaltung rücken dabei in den Vordergrund (Stempel, 2023, 2024 in Vorbereitung). Aus diesen Erkenntnissen ergeben sich Implikationen für die Kompetenzen hybrid arbeitender Führungskräfte insbesondere in Bezug auf Arbeitsgestaltungskompetenzen.

    Die qualitativen Ergebnisse werden momentan in einer quantitativen Studie in Verbindung mit verschiedenen organisationalen Variablen überprüft. Dafür wurden komplette hybrid- arbeitende Teams samt Führungskraft akquiriert und mit einem Onlinefragebogen befragt. Der Großteil der teilnehmenden Teams hat bereits eine Ergebnisrückmeldung mit einer Standortbestimmung zur hybriden Zusammenarbeit im Team bekommen.

    ... zu Transfer und gesellschaftlicher Relevanz

    Die Frage nach Effekten und Bedarfen für unterschiedliche Sektoren und Branchen lässt sich im Projekt DigiLead nur begrenzt beantworten. Die Expert:innen für die Interviews stammen aus verschiedenen Branchen und Sektoren (z.B. Produktion, Versicherungsbranche, Gesundheitsbranche, öffentlicher Dienst) und beschreiben vergleichbare Herausforderungen hybrider Arbeit.
    Die noch laufende quantitative Befragung könnte hier ggf. weitere Einblicke ermöglichen. Es lässt sich jedoch bereits feststellen, dass arbeitsgestalterische Lösungsansätze branchen- und sektorenübergreifend angewendet werden können.

    Für die Kompetenzentwicklung von Führungskräften in hybriden Arbeitskontexten ergibt sich bereits ein Fokus auf Faktoren der Arbeitsgestaltung. Besonders die Gestaltung von Arbeitszeiten (Entgrenzung), Arbeitsorganisation (Koordination, Kommunikation) und sozialen Beziehungen erhält eine neue Qualität, mit der sich Führungskräfte auseinandersetzen müssen.
    Die Arbeitsgestaltungskompetenz ist in der Führungskräfteentwicklung bisher stark vernachlässigt und sollte im Hinblick auf hybride Arbeit ausgebaut werden. Detaillierte Handlungsempfehlungen und Weiterbildungsbedarfe sollen als Resultat des Forschungsprojektes DigiLead erarbeitet werden.

    Für die Methoden der transferorientierten Forschung zeigt sich, dass ein iteratives, wechselseitiges Vorgehen sowohl dem Forschungs- wie auch dem Transferprozess zugutekommt. Der multimodale Forschungsansatz ermöglicht die Integration von qualitativen und quantitativen Daten (Tiefe und Generalisierbarkeit der Erkenntnisse) und reduziert mögliche Methodenschwächen. Als vorteilhaft hat sich dabei der Einbezug der Studienteilnehmer:innen gezeigt.
    Die Interviews ermöglichten den Führungskräften eine intensive Auseinandersetzung und Reflexion der Thematik hybrider Arbeit und wurden von vielen Teilnehmenden als gelungene Intervention bzw. Ideenanstoß wahrgenommen. Aus den Interviews ergaben sich wiederum wichtige Impulse für die Onlineumfrage.
    Die Rückmeldung der Ergebnisse dieser Befragung können den teilnehmenden Teams als Standortbestimmung für die Ableitung von Maßnahmen zur Verbesserung der hybriden Zusammenarbeit dienen. Eine qualitative Nachbefragung im Rahmen von DigiTeam soll dann zur Klärung noch offener Fragen und Hintergründe beitragen und die bisher erarbeiteten Ergebnisse validieren. Mit Hilfe von Workshops mit den teilnehmenden Teams und Führungskräften werden abschließend konkrete Handlungsempfehlungen für die digitale Zusammenarbeit und Führung erarbeitet. Darüber hinaus stoßen Veranstaltungen des Wissenschaftstransfers (Vorträge, Interviews, Podcasts) in einer breiten Öffentlichkeit auf große Resonanz und in Diskussionen mit anderen Expert:innen und Teilnehmenden ergeben sich neue Fragen und Ansätze für Forschungsvorhaben. Dementsprechend bietet die aktive Einbeziehung der Kooperationspartner aus Wissenschaft und Praxis eine gute Grundlage für zukünftige Antragsstellungen und Kooperationen.

  • Veröffentlichungen

    Stempel, C.R. (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) (2024). DigiLead: Führung in digitalen Arbeitswelten. (In Vorbereitung)

    Stempel, C.R. (2023).Hybride Führung: Führungskräfte als Architekten der Arbeitswelt von Morgen. Wirtschaftspsychologie Heute, Onlinepublikation vom 04.08.2023

    Stempel, C.R. (in Sabine Rehmer & Clarissa Eickholt) (2022). 22. Workshop Psychologie der Arbeitssicherheit und Gesundheit: Transfer von Sicherheit und Gesundheit, 1. Auflage, Asanger Verlag GmbH

    Konferenzteilnahmen und Vorträge

    Stempel, C.R. (2023). Neue Herausforderungen für Führungskräfte im Rahmen hybrider Arbeit. Podiumsdiskussion auf der A+A Kongress, Düsseldorf (24.10-27.10.2023)

    Stempel, C.R. (2023). Bedingungs-los? Arbeitsbedingungen von Führungskräften im Kontext hybrider Arbeit. AOWI Fachgruppentagung, Kassel (13.09.-15.09.2023).

    Stempel, C.R. (2023). Hybride Führung – Ein Überblick und Einblicke aus aktueller Forschung. Kolloquium HSU (19.06.2023).

    Stempel, C.R., & Gronewold, S.D. (2023). Digital Leadership: Challenges and Resources of Leading Hybrid. Presentation at the conference of the European Association of Work and Organizational Psychology (EAWOP). Kattowice, Poland (20.05- -27.05.2023).

    Stempel, C.R. (2023). Beurteilung von Fragebogenwerten im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung psychische Belastungen (GBU). Übernommener Vortrag von Ivon Ames; 63. Wissenschaftliche Jahrestagung DGAUM, Jena (16.03.2023)

    Stempel, C.R. (2023). Quo Vadis? Führen in hybriden Teams. Keynote, Wien, 31.01.2023

    Stempel, C.R. (2022). Homeoffice gestalten: Differenzielle Zusammenhänge zwischen Anpassungsverhalten und Belastungsfaktoren für Führungskräfte und Mitarbeiter*innen. Vortrag & Symposium beim 52. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs). Hildesheim (10.09- -15.09.2022).

    Stempel, C.R. (2022). Ausgestattet für den Job? Förderliche und hinderliche Arbeitsbedingungen im Kontext gesunder Arbeitsgestaltung. Vortrag bei Fachverband Psychologie für Arbeitssicherheit und Gesundheit e. V. (PASIG). Gera (05.09. -07.09.2022).

    Stempel, C.R. (2022). Fehlbelastungen und Ressourcen für Führungskräfte und die Rolle von Kontextfaktoren in der GBU Psyche. Diskussionsrunde auf der 34. Internationalen Fachtagung Psychologie menschengerechter Arbeitsgestaltung. Visselhövede (30.06. -03.07.2022).

    Weitere Transferprojekte

Projektbeteiligte

Dr. Christiane Stempel Foto: FernUniversität

Dr. Christiane Stempel

Projektleitung

E-Mail: christiane.stempel

Telefon: +49 2331 987 - 4250

Lehrgebiet für Arbeits- und Organisationspsychologie, Fakultät für Psychologie

Profil

Prof. Dr. Jan Dettmers Foto: Volker Wiciok

Prof. Dr. Jan Dettmers

Projektleitung

E-Mail: jan.dettmers

Telefon: +49 2331 987 - 2745

Lehrgebiet für Arbeits- und Organisationspsychologie, Fakultät für Psychologie

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Kooperationspartner

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FI ABD | 10.05.2024