Kurs 42270

Angewandte Ökonometrie

Autoren/innen:
Prof. Dr. Hans-Jörg Schmerer / Dr. Steffen Sirries
Workload:
300 h
SWS:
6
Semester:
WiSe/SoSe
ECTS-Punkte:
10
Dauer:
1 Semester
Angebot:
in jedem Semester
Prüfung:
Zweistündige Abschlussklausur

Betreuung:

Kurs 42270 in VU

Kurzbeschreibung

Die Ökonometrie wird als die Schnittmenge der ökonomischen Theorie, der Mathematik und der Statistik verstanden.

Dieser Sachverhalt sei exemplarisch veranschaulicht an der Hypothese, dass der Preis eines Gutes negativ mit dessen Nachfrage in Verbindung steht. Geleitet durch Intuition und theoretisches Wissen über die Grundlagen der Wirtschaftswissenschaft, ist man dazu gewillt dieser Hypothese Glauben zu schenken. Unter der Prämisse, dass ein normales Gut betrachtet wird, führt ein Preisanstieg für gewöhnlich zu einer reduzierten Nachfrage nach eben diesem Gut. Dieser Zusammenhang ist so offensichtlich, dass eine empirische Überprüfung redundant erscheinen mag, und dennoch wird dieser Zusammenhang noch immer sehr häufig in ökonometrischen Studien analysiert. Wir werden im Verlauf dieses Kurses sehen, dass die Ökonometrie sehr praxisrelevante Anwendungen der ökonomischen Modelle erlaubt, die über einen simplen Hypothesentest - also die Bestätigung oder Ablehnung dieser Hypothese - hinausgehen. Es kann eben nicht nur die Existenz eines beliebigen Zusammenhangs überprüft, sondern auch die Stärke und mögliche Interaktionen mit anderen Variablen quantifiziert werden.

Um all dies leisten zu können, muss der postulierte Zusammenhang zunächst einmal in einem Modell dargestellt werden. Die Theorie hilft uns also mögliche Erklärungen für beobachtbare Ereignisketten zu formulieren, wobei der Ausdruck "'mögliche Erklärungen"' hier ganz bewusst gewählt wurde. Eine theoretische Begründung ist eben noch kein Beweis für ein Zusammenhang. Erst die ökonometrische Analyse kann die Theorie durch eine geschickte Anwendung der zur Verfügung stehenden Methoden empirisch validieren. Die theoretisch motivierte Hypothese kann sich im Verlauf der empirischen Überprüfung als wahr oder falsch herausstellen. Es reicht eben nicht aus einen Zusammenhang zu glauben, in der Wissenschaft müssen Sachverhalte bewiesen werden. Aber die geschickte Verknüpfung von theoretischem Modell und empirischer Überprüfung kann nicht nur die Existenz bestimmter Zusammenhänge nachweisen. Auch die Stärke des Effekts lässt sich in einer solchen Analyse quantitativ bestimmen, was den sehr starken Anwendungsbezug der Ökonometrie unterstreicht. Die Kombination aus Theorie und Empirie liefert wichtige Vorhersagen für die reale Welt und erlaubt das wirtschaftliche Handeln von Individuen zu prognostizieren.

Es ist also nicht verwunderlich, dass die Ökonometrie auch in der Privatwirtschaft häufig zur Messung und Analyse wirtschaftlichen Handelns eingesetzt wird. Mit der Rechenkapazität moderner Computer und der zunehmenden Verfügbarkeit von Daten können empirische Methoden weit über die klassische Ökonomie hinaus angewandt werden.

Zu guter Letzt ist auch der Staat auf verlässliche Prognosen angewiesen, um Politiken entsprechend zu gestalten. Voraussetzung für eine gute Handlungsempfehlung für die Politik ist aber natürlich immer eine gründliche Analyse mit Berücksichtigung ihrer inhärenten Probleme. Diese Probleme hängen ab von der gestellten Frage und müssen entsprechend analysiert, beschrieben und auf Validität hin überprüft werden. Die Statistik hat eine Vielzahl an Methoden parat, die eingesetzt werden können, um diese Probleme zu umgehen und verlässliche Antworten auf die gestellten Fragen zu finden.

Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass die Mathematik und die Statistik dem Forscher das Methodenwissen an die Hand geben, das zur Überprüfung von wirtschaftlichen Zusammenhängen benötigt wird. Die Wirtschaftstheorie basiert auf der Mathematik und liefert vereinfachte Zusammenhänge, die mathematisch formuliert anhand statistischer Methoden geschätzt werden können. Die Verbindung aus Wirtschaftstheorie und Statistik ist Gegenstand der Ökonometrie.

22.10.2019