forum philosophicum und Werkstattgespräche

Zur Veranstaltungsreihe:

Das forum philosophicum des Instituts für Philosophie der Fernuniversität in Hagen bietet seit 1987 regelmäßig Vortragsreihen an, die das Gespräch zwischen Fachvertretern der Philosophie und der Universitätsöffentlichkeit fördern wollen sowie den interessierten Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Hagen die Möglichkeit geben, sich aus erster Hand über aktuelle wissenschaftliche Debatten zu informieren. Zu den Vorträgen auswärtiger Fachkollegen aus dem In- und Ausland treten dabei die Werkstattgespräche, in denen die Lehrenden des Instituts für Philosophie der FernUniversität ausgewählte Themen und Ergebnisse ihrer Forschungsarbeiten vorstellen. Die Veranstaltungsreihe wird in Kooperation mit der Gesellschaft der Freunde der Fernuniversität durchgeführt.

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Veranstaltungen für 2020

22. Oktober 2020, 16.30 Uhr [Die Veranstaltung muss leider verschoben werden!]

Veranstaltungsort: Universitätsstr. 33, Gebäude 2 (KSW-Seminargebäude), Raum 1 - 3

Referenten / Musiker:

Dr. Markus Siedenberg, Mülheim an der Ruhr – Musikwissenschaftler und Pianist

Dr. Werner Schmitt, Altdorf – Philosoph und Literaturwissenschaftler

Moderation: Prof. Dr. Thomas Sören Hoffmann, Hagen

Der Klang, die Dichtung und das Denken des Absoluten

Eine musikalisch-literarische Hommage aus Anlass von Beethovens, Hölderlins und Hegels 250. Geburtstag

Im Jahre 2020 jähren sich die Geburtstage gleich dreier Größen der Musik, der Literatur und des Denkens zum 250. Mal: Ludwig van Beethoven (1770-1827), Friedrich Hölderlin (1770-1843) und Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) stehen allesamt für den Aufschwung zu einer neuen Sprache in Tönen, Worten und Gedanken, in denen bisher unerhörte Dimensionen der menschlichen Selbstverständigung zum Ausdruck kommen. Allen dreien gemeinsam ist dabei die Erfahrung eines in die eigene Zeit verschränkten Selbstbewussteins, das gleichwohl der Ort einer ästhetischen oder denkerischen Begegnung mit dem Absoluten zu sein vermag.

Dr. Markus Siedenberg ist Pianist und Musikwissenschaftler. Seine musikwissenschaftliche Dissertation stellt die aktuelle Werkmonographie zu Beethovens legendärer, für manche „absoluter“ Sonate Opus 111 dar. Prof. Dr. Hans-Joachim Hinrichsen (Universität Zürich), Autor eines Standardwerks zu den Beethoven-Sonaten, hält Siedenbergs Dissertation für eine internationale Spitzenleistung der Musikanalyse. Als Pianist gewann Siedenberg zuletzt einen ersten Preis beim Quebec International Music Competition 2020 (Montreal) und einen ersten Preis beim Grand Prize Virtuoso International Music Competition 2020 (Salzburg), beide in der Profiklasse. Siedenberg wird neben seinem Vortrag auch den 2. Satz (Arietta) der Sonate spielen, der das Prunkstück der Sonate ist und der laut dem Musikwissenschaftler Lawrence Kramer auch als semantisch selbständige „plentitude“ aufgefasst werden kann, die – wenngleich etwas versteckt – wesentliche Elemente des 1. Satzes in sich birgt.

Dr. Werner Schmitt war der letzte Assistent des Frankfurter Sprachphilosophen Bruno Liebrucks (1911-1986), der dem Werk Friedrich Hölderlins den stattlichen siebten Band seines Hauptwerkes „Sprache und Bewußtsein“ gewidmet hat. Liebrucks wie auch Schmitt sind dabei konsequent der Frage nachgegangen, inwiefern erst ein Verständnis des Hegelschen „Begriffs des Begriffs“ die logischen wie auch die unausweichlich mythischen Räume erschließen kann, die Hölderlins Dichtung aufrufen. Sie sind dabei bis zu der Frage vorgestoßen, ob Hölderlin nicht Zeuge einer absoluten Sprachlichkeit ist, die unsere logischen Welten noch einmal auf eine eigene Fülle-Erfahrung hin übersteigt.

In der Moderation beider Vorträge wird Prof. Dr. Thomas Sören Hoffmann kurz auf Hegel als in gewisser Weise verbindendes Glied zwischen dem Musiker und dem Dichter zu sprechen kommen.


08. Oktober 2020, 16.30 Uhr

Veranstaltungsort: Universitätsstr. 33, Gebäude 2 (KSW-Seminargebäude), Raum 1 - 3

Prof. Dr. Oliver Müller, Albert­-Ludwigs­-Universität (Freiburg):

„Postphänomenologie und die Philosophie der Technik“

In meinem Vortrag werde ich die Grundzüge der sog. Post- phänomenologie darstellen, wie sie von Don Ihde im Anschluss an Husserl, Heidegger und Merleau-Ponty entwickelt wurde. Die Postphänomenologie untersucht auf der Grundlage der ‚klassischen‘ Phänomenologie und Hermeneutik die Vielschichtigkeit unserer technischen Selbst- und Weltverhältnisse. Sie geht dabei von einer „relationalen Ontologie“ (relational ontology) aus, die sich in verschiedenen Relationen ausdifferenziert (embodiment relations, hermeneutic relations, alterity relations, background relations). Ich werde diese Relationen im Einzelnen darstellen, um das technikphilosophische Potential dieser Methode herauszuarbeiten. Dabei werde ich sowohl auf jüngere Weiterentwicklungen und Verfeinerungen dieses Ansatzes zu sprechen kommen als auch auf konkrete technische Anwendungsfelder. Abschließend werde ich in einer kritischen Reflexion auch die Grenzen der Postphänomenologie thematisieren – insbesondere was das fehlende begriffliche Instrumentarium für eine Technikkritik angeht.


04. Juni 2020, 16.30 Uhr

Veranstaltungsort: Universitätsstr. 33, Gebäude 2 (KSW-Seminargebäude), Raum 1 - 3

Verschoben! Neuer Termin wird noch bekanntgegeben.

Prof. Dr. Geert Keil (Humboldt­-Universität, Berlin):

„Menschliche Fehlbarkeit und blinde Flecken“

Menschen sind fehlbare Wesen. Wir können aus eigener Kraft nicht sicherstellen, dass etwas, was wir mit guten Gründen für wahr halten, tatsächlich wahr ist. Warum ist das so? Was in uns oder in der Welt ist dafür verantwortlich, dass wir niemals alle Irrtumsmöglichkeiten ausschließen können? Fehlen uns bestimmte Fähigkeiten, die wir im Prinzip erwerben könnten? Im Vortrag wird eine Erklärung für die menschliche Fehlbarkeit entwickelt, die ohne den cartesischen bösen Täuschergott auskommt.

Literatur: Geert Keil: Wenn ich mich nicht irre. Ein Versuch über die menschliche Fehlbarkeit, Stuttgart (Reclam) 2019.


23. April 2020, 16.30 Uhr

Veranstaltungsort: Universitätsstr. 33, Gebäude 2, (KSW-Seminargebäude), Raum 4+5

Prof. Dr. Matteo V. d‘Alfonso (Universität Ferrara, Italien):

„Die Metamorphose des Primats des Praktischen: Kant, Fichte, Schopenhauer, Nietzsche“

Kants Kritik der reinen Vernunft ist für die „kopernikanische Revolution“ in der Epistemologie berühmt, enthält jedoch noch eine andere „Revolution“: Kant begründet hier den Vorrang der praktischen vor der theoretischen Vernunft, worin ihm nicht zu- letzt Fichte folgt, dem zufolge das ganze kantische System im Sinne einer Komplementarität von Theorie und Praxis, dabei aber eines Vorrangs der praktischen Vernunft zu betrachten ist. Es ist diese Auffassung Fichtes, gegen die sich dann Schopenhauer wendet, der schon als Student einen regelrechten Kampf gegen den Begriff der „praktischen Vernunft“ führt: Schopenhauer wird am Ende zwar erneut einen Primat des Praktischen, aber in ganz anderem Sinne (u. a. als Primat des Körpers) vertreten. Eine letzte, extreme Konsequenz zieht Friedrich Nietzsche. Auch nach Nietzsche ist unser Weltverhältnis, selbst in seiner theoretischen Gestalt, ganz und gar praktisch. Nur so erhält seine berühmte These: „Es gibt keine Fakten, sondern nur Interpretationen“ ihre volle Bedeutung. Nietzsches Position, die sehr weit von Kants „Primat des Praktischen“ entfernt zu sein scheint, ist dabei das Resultat einer Reflexion, die erneut von Kant ausgeht: nämlich von der Analyse des teleologischen Urteils in Kants Kritik der Urteilskraft. Der Vortrag wird die Positionen der genannten vier Autoren vorstellen und deren wechselseitige Beziehungen näher erörtern.

Der Vortrag wird aufgrund der aktuellen Corona-Situation als Videostream im virtuellen Audimax der FernUniversität übertragen.
Zugang zur Adobe Connect-Plattform erhalten Sie am 23. April 2020 ab 16 Uhr über folgenden Link: https://emeeting.fernuni-hagen.de/philosophicum

Weitere Informationen zu den technischen Voraussetzungen für die Teilnahme finden Sie auf den Seiten des helpdesk Wiki der FernUniversität.


13. Februar 2020, 16.30 Uhr

Veranstaltungsort: Universitätsstr. 33, Gebäude 2 (KSW-Seminargebäude), Raum 1 - 2

Prof. Dr. Christian Volk (Berlin):

„Hannah Arendts Republikanismus des Dissenses“

Der Vortrag präsentiert Hannah Arendts politisches Denken als einen Republikanismus des Dissenses. Ein solches Denken stellt die Bedeutung von Institutionen, Recht und der Sichtbarmachung von Konflikt in den Vordergrund. Es entwirft den Republikanismus konflikt- und handlungsorientiert und entzieht sich zugleich der Orthodoxie der Volkssouveränität. Arendt ist für die aktuelle republikanische Diskussion deshalb so relevant, da bei ihr die Idee von der Ordnung der Freiheit und der Selbsterneuerung des republikanischen Gemeinwesens im Zuge der politischen Auseinandersetzung ausbuchstabiert wird.

Der Vortrag wird zeigen, wie Arendts Verständnis von Republikanismus den Schwerpunkt auf zivilgesellschaftliches Engagement legt und insbesondere die Entstehungsbedingungen politischen Handelns thematisiert. So stellt Arendt eine Alternative zum neo-republikanischen und radikaldemokratischen Diskurs dar, der insbesondere für gegenwärtige demokratie­theoretische Diskussionen, wie jene um den Nutzen, die Bedeutung und die Form von Politisierung, von großem Wert erscheint.

  • 12. Dezember 2019, 18.30 Uhr

    Veranstaltungsort: Universitätsstr. 21, Gebäude 8 B 121 (Senatssaal)

    Prof. Dr. Severin Schroeder (University of Reading, U.K.):

    „Worum geht es in Wittgensteins Privatsprachen-Argument?“

    In § 258 der „Philosophischen Untersuchungen“ stellt sich Wittgenstein vor, wie jemand ein privates Tagebuch über das Wiederkehren einer gewissen Empfindung führen will, die er mit dem Zeichen „E“ assoziiert. Dieser berühmte Abschnitt wird gemeinhin als Kern des sogenannten Privatsprachen-Arguments angesehen, mit dem Wittgenstein zeigen wolle, dass ein solches privates Benennen von Empfindungen unmöglich sei. Das ist aber ein Missverständnis. Der Vortrag wird erklären, dass es Wittgenstein durchaus nicht darum geht, ein privates Empfindungs-Tagebuch als unmöglich zu erweisen, sondern vielmehr darum, zu zeigen, dass Empfindungsäußerungen nicht als Beschreibungen introspektiv wahrgenommener Gegenstände aufgefasst werden dürfen.


    24. Oktober 2019, 16.30 Uhr

    Veranstaltungsort: Universitätsstr. 11, Gebäude 3, Raum 2-3 (Ellipse)

    Prof. Dr. Dr. Armin Schmidtke (Würzburg):

    „Suizidprävention als Gegenstand der Medizinethik und praktische Herausforderung“

    Die Themen Suizidalität und Suizidprävention haben im letzten Jahrzehnt in Deutschland besondere Bedeutung gewonnen, vor allem vor dem Hintergrund der gesetzgeberischen und standespolitischen Diskussion zur Suizidbeihilfe. Aufgrund zunehmender Betonung des Selbstbestimmungsrechts und eines Verständnisses von „Autonomie“, das Entscheidungen über das eigene Leben und das Lebensende einschließen soll, ist ein Wechsel ethischer Grundauffassungen festzustellen. Für die Suizidprävention stellen diese Einstellungs­änderungen vor dem Hintergrund des Versuchs einer adäquaten psychiatrisch-psychotherapeuti­schen Behandlung von Personen, bei denen man im Unterschied zu früheren – vor allem religiösen – Einstellungen heute eine besondere psychische Notsituation annimmt, eine besondere Problematik dar. Die zukünftige Suizidprävention ist von einer Reihe unterschiedlicher Variablen abhängig, nicht zuletzt auch vom gesundheitspolitischen Willen und der sozialen Hilfeleistung für betroffene Personen.


    12. September 2019, 16:30 Uhr

    Veranstaltungsort: Universitätsstraße 33, Gebäude 2 (KSW-Seminargebäude), Raum 1 bis 2

    Dr. Gunnar Schumann (Hagen)

    Zum Problem des Erklärens von kollektiven Handlungen

    Es gibt eine große Bandbreite kollektiver Handlungen: von einem Spaziergang zu zweit, über Handlungen von Parteien und Wirtschaftsunternehmen bis hin zu Handlungen von Stämmen, Religionsgruppen oder Nationen. Das Problem, auf welche Weise kollektive Handlungen angemessen erklärt werden können, wird seit einigen Jahren in der Analytischen Philosophie kontrovers diskutiert. Als Grundproblem wird dabei die Versöhnung zweier kontrastierender Intuitionen angesehen: einerseits, dass eine kollektive Handlung sich als Resultat einer geteilten Absicht und nicht als bloßes Aggregat individueller Absichten verstehen lassen muss. (Wenn eine Menschenmenge über die Straße läuft, wenn die Fußgängerampel grün zeigt, so führen zwar alle Akteure die gleiche Handlung aus, aber es handelt sich nicht um eine kollektive Handlung. Irreduzibilitätsthese). Andererseits scheint es, als müsse die kollektive Handlung als ein Resultat numerisch verschiedener Absichten der die Gruppe ausmachenden Akteure erklärt werden (Individuelle-Besitz-These). Das Problem nimmt daher die Form an: Wie kann das Zustandekommen einer kollektiven Handlung auf Basis einer Reihe individueller Absichten der Einzelakteure erklärt werden? Diese Frage wird in der Analytischen Philosophie mithilfe einer Reihe von Theorien kollektiven Handelns zu beantworten gesucht. Im Vortrag soll gezeigt werden, dass das diesen Theorien zugrundeliegende Problem des Erklärens kollektiver Handlungen ein Scheinproblem ist.


    27. Juni 2019, 16:30 Uhr

    Veranstaltungsort: Universitätsstraße 33, Gebäude 2 (KSW-Seminargebäude), Raum 1 bis 2

    Prof. Dr. Günther Pöltner (Wien)

    Freiheitsillusion oder illusorische Freiheit?

    Gemäß einem neuen Aufklärungsprogramm ist die Rede von Freiheit eine Illusion. An diesem Programm interessieren weniger der performative Widerspruch, in dem sich dessen Vertreter verwickeln, sondern der unreflektierte Freiheitsbegriff, den es voraussetzt. Die teilweise berechtigte Kritik bekämpft zwar eine illusorische Vorstellung von Freiheit, fordert aber eben deshalb eine neue Besinnung auf unser Menschsein heraus.


    11. April 2019, 16:30 Uhr

    Veranstaltungsort: Universitätsstraße 33, Gebäude 2 (KSW-Seminargebäude), Raum 1 bis 2

    PD Dr. Frank Ruda (University of Dundee)

    Mut und Politik

    Theodor W. Adorno bemerkt irgendwo, dass die Geschichte der Philosophie angefüllt ist mit Problemen, die eine lange Zeit im Brennpunkt allen Nachdenkens stehen, dann aber, aus meist nur schwer verständlichen Gründen, in allgemeine Vergessenheit geraten. Er selbst hat vergessen hinzuzufügen, dass das Gleiche auch für vormals zentrale Begriffe der Philosophie gilt. Der Vortrag wird von der Diagnose ausgehen, dass ab einem bestimmten – politisch überdeterminierten – geschichtlichen Moment der Begriff, die Kategorie des Muts in der Philosophie in Vergessenheit geriet. Er wird in einem ersten Schritt die Gründe für dieses Vergessen klären, um im Anschluss den Fragen nachzugehen, was mit dem Begriff des Mutes – zurecht oder unrecht – verloren gegangen ist und inwiefern dieser Verlust Konsequenzen nicht nur für die Philosophie, sondern für deren Durchdenken der Politik hat.


    21. Februar 2019, 16:30 Uhr

    Veranstaltungsort: Universitätsstraße 33, Gebäude 2 (KSW-Seminargebäude), Raum 1 bis 2

    Prof. Dr. Christina Schües (Lübeck)

    Epistemische Verletzlichkeit. Wie ist Phänomenologie politisch?

    Tatsachen werden zur Meinung, die Meinung zum alternativen Fakt. Vertraute gesellschaftliche und politische Erkenntniskategorien verschwimmen. Gegenwärtige Handlungs- und Normbereiche unterliegen einem Wandel, Verhaltensweisen ändern sich, Politik tritt in neuem Gewand auf. Ist der öffentliche politische Raum prekär, fragil geworden? Die Sphäre des Meines wird zum Hort einer zerstörten normativen Ordnung, der von der Faktizität des Wirklichen und der Erfahrung befreit ist. Deshalb fragt Christina Schües in ihrem Vortrag: Sind die Menschen - die Bürgerinnen und Bürger, auch die Kinder und Jugendlichen - einer neuen Verletzlichkeit ausgesetzt? Haben wir es mit einer epistemischen Verletzung zu tun, die uns zeigt, dass wir auch sprachlich und epistemisch verletzlich sind, und zwar hinsichtlich unserer Erkenntnisfähigkeit und Wissensordnung, Sprache und unserers normativen Bezugsrahmens. Der Vortrag diskutiert, wie Verletzlichkeit und Prekarität aus phänomenologischer und politischer Perspektive verstanden werden kann. Wie hängen Verletzlichkeit und Erkenntniskategorien hinsichtlich unserer Kommunikation und politischen Interaktion zusammen?


    29. November 2018, 16:30 Uhr

    Veranstaltungsort: Universitätsstraße 33, Gebäude 2 (KSW-Seminargebäude), Raum 1 bis 2

    Prof. Dr. Volker Peckhaus (Paderborn)

    Von der Regel zum Algorithmus: Die Rolle rechnerischen Denkens in der Geschichte der Logik

    Die Macht der Algorithmen scheint uns zunehmend zu beherrschen. Sie dienen der Analyse der Daten, die jeder von uns in großer Menge Tag für Tag hinterlässt. Damit sollen automatisierte Entscheidungen getroffen werden, manche wohl auch zu unserem Wohl. Gleichwohl laden sie zum Mißbrauch ein und liefern uns als gläserne Menschen denen aus, die die Algorithmen besitzen.

    Der Vortrag geht den Ursprüngen algorithmischen Denkens nach, die mit der Entstehung der modernen Logik zusammenfallen. Die Entwicklung regelgeleiteter Methoden und logischer Kalküle (rechnendes Denken) etwa bei René Descartes und Gottfried Wilhelm Leibniz oder auch der modernen Mathematischen Logik bei Ernst Schröder war eng verbunden mit der umfassenden Suche nach wissenschaftlichen Universalsprachen. Algorithmen und Kalküle stellten dabei die Syntax dieser Sprachen dar. Die damit gegebenen Verknüpfungs- und Transformationsregeln dienten der Steigerung der Effizienz logischen Schließens und der Erschließung neuen Wissens.


    18. Oktober 2018, 16:30 Uhr

    Veranstaltungsort: Universitätsstraße 21, Gebäude 8 (AVZ) , Raum B 121

    Dr. Fernando Moldeo (Hagen)

    Kants Antwort auf die Frage: „Ist überall Metaphysik möglich?“

    Im Rahmen der Aufklärung und der dementsprechenden Erforschung der Ansprüche der menschlichen Vernunft setzt sich Kants Projekt einer Kritik der reinen Vernunft mit der Frage nach der Möglichkeit einer Metaphysik der Natur und der Moral auseinander. Die Ergebnisse dieses Projekts sorgen jedoch seit dem Ende des 18. Jahrhunderts für Kritik. Der Vortrag möchte sich mit dieser kritischen Strömung auseinandersetzen. Diesbezüglich ist auf zwei grundlegende Probleme aufmerksam zu machen, die innerhalb des Kantischen kritischen Projekts auf mögliche offene Fragen hinweisen. Diese Probleme betreffen die Rechtfertigung der Kategorien als Verstandesbegriffe eines Objekts im Allgemeinen, die den allgemeinsten Teil der Metaphysik bilden und die Rechtfertigung der absolut verbindlichen Natur des Sittengesetzes, das den Grund der Moralphilosophie ausmacht.


    20. September 2018, 18:30 Uhr

    Veranstaltungsort: Universitätsstraße 11, Gebäude 3, Ellipse

    Rolf Schönberger (Regensburg)

    Buridans Esel

    Über den Grund und die Bestimmung von freien Alternativen.

    Durch die Philosophie der Neuzeit geistert das Beispiel von Buridans Esel, der angesichts zweier gleich verlockender Heuhaufen vor diesen verhungert. Eine Entscheidung scheint vorauszusetzen, dass ein Entscheidungsgrund stärker als ein anderer war. Die Philosophie der Neuzeit hat das allerdings durchgängig als ein unangemessenes Exempel für die menschliche Freiheit angesehen.

    Die Thematik der Freiheit wurde erwartungsgemäß im mittelalterlichen Denken auch zu einer komplexen Problemstellung der Theologie. Buridan ist allerdings zeitlebens Philosoph geblieben. Die bisherige Deutung seiner Theorie bezieht diese entweder auf die Diskussion in der theologischen Fakultät oder auf die Freiheitstheorie Kants. Buridan bietet jedoch eine ausdifferenzierte und umfängliche Theorie, in der es neben der Frage, welches Wissen der Mensch von seiner Freiheit haben kann, auch darum geht, wie Freiheit überhaupt verstanden werden muss. Gründet sie in der Rationalität, weil erst durch Kategorie des Gegensatzes Alternativen zu denken sind, oder in der reinen Spontaneität, durch die das zunächst Unbestimmte – die Pluralität von Optionen – zu einer Bestimmung, sprich zu einer Entscheidung kommt? Buridans Theorie entwickelt eine bisher unbekannte "Psychologie" der Willensbildung, die allerdings nicht der einzig originelle Aspekt in seiner Konzeption der Freiheit ist.


    5. Juli 2018, 18:30 Uhr

    Veranstaltungsort: Universitätsstraße 33, KSW-Seminargebäude, Raum 1 bis 2

    Alexander Schnell (Wuppertal)

    Wozu Phänomenologie heute?

    Nicht nur die geisteswissenschaftliche Welt unterliegt heute einem grundlegenden Wandel. Die Fortschritte an allen Fronten der Naturwissenschaften vermitteln den Eindruck, dass vielerlei Neuartiges am Entstehen ist, das aber offenbar noch dem begrifflichen Erfassen harrt. Dies stellt die Philosophie vor (mindestens) eine zweifache Aufgabe. Einerseits muss sie sich, wie zu aller Zeit, diesen Neuerungen gegenüber öffnen, das heißt, die Mittel bereitstellen, um die darin unterschwelligen Sinnbildungen und Sinnstiftungen zur Sprache zu bringen. Andererseits stellen diese neuartigen Prozesse aber auch die Sinnfrage an die Philosophie selbst. Wozu braucht man noch Philosophie in der heutigen Zeit? In diesem Vortrag soll es darum gehen, eben danach zu fragen, welche Rolle die Philosophie – und dabei insbesondere die Phänomenologie – nach einem sehr umwälzenden Jahrhundert, und angesichts des spürbaren Aufkommens einer noch nicht eindeutig zu identifizierenden Realität, zu spielen vermag. Im Zentrum der Überlegungen wird dabei der Zusammenhang zwischen Erkenntnis und Realität stehen – gerade weil die Phänomenologie vielleicht eines der letzten Refugien ausmacht, in denen solche Fragen noch gestellt werden.

Bryan Planhof | 14.09.2020