Veranstaltung

Die Rosenburg – Das Bundesjustizministerium im Schatten der NS-Vergangenheit

Gespräche am Tor - Karlsruher Begegnungen zu Wissenschaft, Politik und Kultur

Termin(e) Leitung
Ort/Raum
Do, 28.05.2020
18:00 - 20:00
Prof. Dr. Manfred Görtemaker
Regierungspräsidium Karlsruhe
Karl-Friedrich-Straße 17 (am Rondellplatz)
76133 Karlsruhe

Eröffnungsvortrag zur gleichnamigen Ausstellung des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz
von Prof. Dr. Manfred Görtemaker

Zwischen 1949 und 1973 war die Rosenburg im Bonner Stadtteil Kessenich Sitz des Bundesministeriums der Justiz. Wie in vielen anderen Ministerien der jungen Bundesrepublik setzten dort zahlreiche ehemalige NS-Bedienstete ihre Karriere nahezu bruchlos fort. Seit 2012 hat eine Unabhängige Wissenschaftliche Kommission (UWK) die NS-Vergangenheit des Bundesjustizministeriums erforscht. Die Ergebnisse dieser Arbeit wurden im Herbst 2016 von Manfred Görtemaker und Christoph Safferling in der Studie „Die Akte Rosenburg“ veröffentlicht. Im Vortrag stellt Prof. Dr. Manfred Görtemaker die zentralen Ergebnisse dieser Forschung vor und führt in die Ausstellung ein. So wird das Ausmaß deutlich, in welchem Vertreter des NS-Justizapparats zentrale Positionen in einem Amt hatten, das doch für den Aufbau und die Sicherung des demokratischen Rechtsstaats zuständig war. Aber nicht nur wurden ehemalige Mitarbeiter des Reichsjustizministeriums, der Sonder- und Militärgerichte anstandslos wieder in den Staatsdienst integriert. Vielmehr prägten diese Juristen auch die Rechtsprechung der Nachkriegszeit und spielten unter anderem eine zentrale Rolle bei der Amnestierung von NS-Tätern. Studie und Ausstellung sind nicht nur ein wesentlicher Beitrag zur Aufarbeitung der NS-Belastung in der Justiz nach 1945. Sie werfen darüber hinaus ein Schlaglicht auf den unzureichenden Prozess der Entnazifizierung und die „Schlussstrich-Mentalität“ der Nachkriegszeit.


Die Ausstellung ist vom 29. Mai bis zum 12. Juli 2020 im Regierungspräsidium Karlsruhe zu besichtigen: Karl-Friedrich-Str. 17 (am Rondellplatz), 76133 Karlsruhe, Mo–So 11–18 Uhr (Eintritt frei, keine Anmeldung erforderlich).


Manfred Görtemaker, geb. 1951, Studium der Geschichte, Politikwissenschaft und Publizistik in Münster und Berlin, Lehr- und Forschungstätigkeiten in Harvard, Stanford und New York, seit 1992 Professor für Neuere Geschichte an der Universität Potsdam, daneben mehrere Gastprofessuren in den USA, Großbritannien und Italien. Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte in der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, insbesondere der NS-Forschung. Mitgliedschaft in zahlreichen wissenschaftlichen Institutionen und Initiativen, zuletzt leitendes Mitglied der Unabhängigen Wissenschaftlichen Kommission beim Bundesministerium der Justiz zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit.

Es handelt sich um eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz und dem Regierungspräsidium Karlsruhe. Bitte beachten Sie daher folgende Hinweise:

  • Online-Anmeldung für die Eröffnungsveranstaltung und den Eröffnungsvortrag am 28.05. erforderlich:
    bmjv.de/rosenburg-anmeldung (ab 16.04.2020).
  • Abweichender Veranstaltungsort:
    Regierungspräsidium Karlsruhe
    Karl-Friedrich-Straße 17 (am Rondellplatz)
    76133 Karlsruhe.

Beachten Sie auch den begleitenden Vortrag zur Ausstellung am 17.06.2020

Weitere Informationen

Gespräche am Tor - Karlsruher Begegnungen zu Wissenschaft, Politik und Kultur

Werner Daum | 30.09.2019