Regionalzentrum Karlsruhe

Veranstaltung

Max Weber, Karl Marx und der moderne Kapitalismus – eine historische Rekonstruktion

Gespräche am Tor - Karlsruher Begegnungen zu Wissenschaft, Politik und Kultur

Termin(e) Uhrzeit Leitung Ort/Raum
Mi, 10.06.2020 18:00 Prof. Dr. Thomas Sokoll Seminarraum BASEL

Ein Vortrag von Prof. Dr. Thomas Sokoll

Max Weber (1864–1920) zählt zu den großen Universalgelehrten der klassischen Moderne. Er ist auf fast allen Gebieten der Kultur und Sozialwissenschaften durch ebenso brillante wie tiefschürfende Arbeiten hervorgetreten, die nach wie vor lebhaft diskutiert werden. Sein wohl berühmtester Text, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus (1904/05, zweite Fassung 1920), ist zugleich einer der umstrittensten. Von den Soziologen gleichsam als ‚heiliger Text‘ gefeiert und kanonisiert, ist er bei den Historikern eher auf Kopfschütteln gestoßen. Der übliche Einwand lautet, dass es Webers These, in der Berufsethik des asketischen Protestantismus liege der ‚innere‘ Antrieb für den modernen Kapitalismus und dessen globale Diffusion, an einer tragfähigen historischen Quellenbasis mangele. Anlässlich des 100. Jahrestages von Webers Tod weist der Vortrag diese Auffassung zurück und hält dagegen, dass Weber in der Protestantischen Ethik unverzichtbare Bausteine für eine Theorie des modernen Kapitalismus bereitgestellt hat, die nach wie vor aktuell sind und gerade von historischer Seite endlich als tragfähiges Fundament für die weitere Forschung anerkannt werden sollten. Dazu ist allerdings auch Weber selbst zu historisieren und insbesondere seine Auseinandersetzung mit Karl Marx (1818–1883) neu zu bestimmen. Dabei zeigt sich, so die hier vertretene These, dass Webers idealtypisches Konzept des modernen Kapitalismus eine kongeniale Weiterentwicklung des von Marx vorgeschlagenen Modells darstellt. Insofern versteht sich der Vortrag auch als kleiner Nachtrag zum großen Marxjubiläum des Jahres 2018.

Thomas Sokoll, geb. 1954, war bis 2019 außerplanmäßiger Professor für Neuere Geschichte (Frühe Neuzeit) an der FernUniversität in Hagen und ist seitdem im Ruhestand. Seine Forschungsinteressen gelten der vergleichenden Strukturgeschichte Alteuropas in epochenübergeifender Perspektive, der Geschichte der sozialen Ungleichheit, der Geschichte der Industrialisierung und der Geschichte des modernen Kapitalismus.

Für die Veranstaltung ist keine Anmeldung erforderlich, der Eintritt ist frei.

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