Präsenzveranstaltung

Thema:
P2-Präsenztutorium II: Ethik und Rechtsphilosophie
Adressatenkreis:
BA KuWi: Modul P2;
Ort:
Hagen
Adresse:
Gebäude 5, Raum C 002, EG, Universitätsstraße 27
Termin:
31.07.2020 bis
01.08.2020
Zeitraum:
Freitag, 16-20 Uhr
Samstag, 9-17 Uhr
Leitung:
Helge Christian Köttgen
Teil eins: Eine Einführung in die Ethik

Die Veranstaltung für dieses Semester steht ganz im Zeichen des Grundkurses Einführung in die praktische Philosophie. Das Ziel ist es , sich die Inhalte spezifisch mit Blick auf mündliche Prüfung anzueignen. Beginnen werden wir also mit einer detaillierten Besprechung der Grundkurseinheit 1 (d.i. die Einführung in die Ethik, Studienbrief 03563).

Nach einem einführenden Teil zur Frage Was ist praktische Philosophie? (Kapitel 1), möchte ich mit Ihnen die Ethiktypen nacheinander durchgehen. Diese sind:

  1. Tugendethik
  2. Pflichtethik
  3. Christliche Ethik
  4. Wertethik
  5. Diskursethik
  6. [Utilitarismus als eine Position aus dem Umkreis der philosophischen Ethik]
  • Ad 1. Den Anfang macht die klassische Tugendethik. Hier bietet es sich an, dass wir uns den Zugang zur Platonischen Tugendethik über die Politeia verschaffen, und uns dann dem Aristotelischen Konzept der Glückseligkeit (bzw. der Eudämonie) zuwenden.
  • Ad 2. Den Typus der Pflichtethik werden wir exemplarisch anhand der Stoischen und Kantischen Philosophie besprechen. Nun haben wir im ersten Treffen natürlich schon zentrale Begrifflichkeiten der Ethik Kants (also: Maxime, Maximen-Vielfalt, kategorischer Imperativ, Autonomie, Selbstverpflichtung, Menschenwürde usf.) behandelt. Daher werden wir uns hier - neben einer Wiederholung des Wesentlichen - vor allem auch mit den Kritiken an der Kantischen Revolution der Denkungsart auseinandersetzen (beachten Sie hierzu bitte die entsprechenden Abschnitte: Formalismus- und Rigorismusvorwurf).
  • Ad 3. Die Besprechung der Augustinischen Position wird sich v.a. auf den Friedensbegriff erstrecken. Zu klären ist, inwiefern Friede als ontologisches Prinzip bzw. als eschatologisch (der Geschichte ein Ziel setzend) gedacht werden kann. Des Weiteren werden wir uns mit dem Gewissensbegriff des Thomas von Aquin auseinandersetzen. Auch ist in diesem Zusammhang die Frage von Interesse, wie bei Thomas eine Ordnung aus Freiheit begründet wird.
  • Ad 4. Als nächstes schauen wir uns die wertethischen Ansätze von Max Scheler und Nicolai Hartmann an. In Bezug auf die materiale Wertethik ist zu klären, wie Scheler anhand seiner - von Husserl übernommenen - Methode der „eidetischen Reduktion" zu einem objektiven Reich der Werte kommt. Schließlich sind - ausgehend auch von den zuvor vorgestellten subjektiven Wertlehren (siehe hierzu: Kant und Nietzsche) - die Errungenschaften Schelers und Hartmanns in Frage zu stellen.
  • Ad 5. Der letzte zu behandelnde genuine Ethiktypus ist die Diskursethik. Einschlägige Autoren sind hier Karl-Otto Apel und Jürgen Habermas. Bei Apel gilt es herauszuarbeiten, was unter „Transzendentalpragmatik" zu verstehen ist - was „transzendental" bedeutet, werden wir daher auch schon vorsorglich in der Kant-Sektion besprechen. In der Folge beschäftigen wir uns noch mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der Ansätze von Apel und Habermas, und beleuchten beide abschließend nochmals kritisch. Fragen Sie sich bitte, (1) wie die beiden Autoren jeweils die Kommunikationsgemeinschaft konzipieren, und (2) inwiefern einerseits Apel als kommunikativer "Letztbegründer", Habermas andererseits als "Diskursregulierer" kritisiert werden kann.
  • Ad 6. In Bezug auf den Utilitarismus wird v.a. zu klären sein, ob es sich hierbei überhaupt um eine Ethik handelt - oder nicht vielmehr doch um eine (durchaus sinnvolle) politische Technik. Da zur Klärung dieser Frage ein Vergleich zur Kantischen Pflichtethik weiterführend sein kann (vgl. Sie hierzu bitte auch den in die Ethik einleitenden Teil des Pöltner-Skriptes - Stichwort: Strukturganzheit der Handlung bei Aristoteles), werden wir diese Diskussion auch schon unter Punkt 2 abhandeln.
Teil zwei: Eine Einführung in die Rechtsphilosophie

Im zweiten Teil der Veranstaltung werden wir uns der Grundkurseinheit 2 (also der Einführung in die Rechtsphilosophie, Studienbrief 03563) zuwenden.

Für unsere Zwecke ist dieser Kurs in die folgenden Themenblöcke einzuteilen:

  1. Die Rechtsidee als Grundbegriff der Rechtsphilosophie
  2. Den Übergang vom Naturrecht zum Vernunftrecht
  3. Das Vernunftrecht im Deutschen Idealismus (Kant, Fichte, Hegel)
  4. Den Rechtspositivismus
  5. Die angelsächsische case-law-Tradition
  • Ad 1. Hier werden wir uns v.a. den Zusammenhang und Unterschied von innerer und äußerer (bzw. veräußerter) Freiheit vergegenwärtigen. Zu fragen ist vornehmlich, welchen Gegenstand wir in der Rechtsphilosophie behandeln (bzw. welche Perspektive wir einnehmen im Gegensatz zur vorher bearbeiteten Ethik), und was daraus folgt.
  • Ad 2. Um besser verstehen zu können, was Naturrecht ist, werden wir uns erstens einschlägige klassische Positionen (Aristoteles, Stoa, Augustinus, Thomas usf.) anschauen. Um den im weiteren wichtigen Unterschied von Natur- und Vernunftrecht herauszuarbeiten, sollten wir dann zweitens klarmachen, wie der Übergang vom einen zum anderen vonstattengeht. Genauer gesagt: "Wie kommt es in der Frühen Neuzeit zu einer zunehmenden Rationalisierung des Naturrechts?" Einschlägige Autoren sind hier Francisco de Vitoria und Hugo Grotius. Eine hilfreiche Frage in diesem Zusammenhang ist weiterhin: "Was für ein rechtsphilosophisches Problem bearbeiten diese beiden Autoren eigentlich?"
  • Wurden also (a) die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Natur- und Vernunftrecht im Allgemeinen verortet, so wird (b) im Kantischen Vernunftrecht die folgende Frage von Interesse sein: „Wer ist wann dazu verpflichtet sich innerlich vom positiven Recht zu distanzieren - und wozu?"
  • Ad 3. Die Rechtsphilosophien von Kant, Fichte und Hegel sollen auf ihre wesentlichen Begriffe und deren Struktur untersucht werden. Bei Kant soll die doppelte Rechtssynthesis über die Rechtsantinomie greifbar gemacht werden. Bei Fichte wird herauszuarbeiten sein, wie eine Rechtskonstruktion gemäß Selbstkonstitution zu denken ist. Was Hegel angeht, werden wir versuchen, den rechts- und geschichtsphilosophischen Zusammenhang vom subjektiven, objektiven und absoluten Geist nachzuvollziehen.
  • Ad 4. und 5. Diese Themen werden voraussichtlich im nächstenTreffen zu besprechen sein, da mit dem obigen Plan die beiden Veranstaltungstage sicherlich ausgefüllt sind.

Soweit erst einmal der Plan für das erste Treffen! Natürlich schaffen wir es nicht, beide Skripte - also die Ethik und die Rechtsphilosophie - zur Gänze an einem Wochenende zu besprechen. Wie weit wir mit dem Plan tatsächlich kommen werden, hängt vom Ihrem Klärungs- und Diskussionsbedarf ab. Was übrigbleibt, besprechen wir dann im zweitenTreffen.

Wie immer möchte ich Sie vor allem dazu anregen, die Fragen, die Ihnen auch nach der Lektüre der Texte noch fragwürdig erscheinen, mitzubringen und zur Diskussion zu stellen.

Wichtig: Da es sich bei der Veranstaltung um ein Präsenz-TUTORIUM handelt, bekommen Sie auch KEINE BESCHEINIGUNG im Sinne der Studienordnung für ein besuchtes Präsenz-SEMINAR. Die Veranstaltung dient ausschließlich der Vertiefung der oben angesprochenen Inhalte und der besseren Vorbereitung auf die P2-Klausur.


Anmeldungen

Bitte melden Sie sich über die VU-Anmeldemaske an.


Alternativ schicken Sie bitte eine E-Mail an Helge.Koettgen[at]fernuni-hagen.de , falls Sie Probleme mit dem obigen Anmeldeverfahren über den Virtuellen Studienplatz haben.

Helge Köttgen | 10.08.2020