Präsenzveranstaltung

Thema:
Mit der Kursautorin im Gespräch: Tierschutzethik (03372) [TERMINÄNDERUNG]
Adressatenkreis:
BA KuWi: Modul P2; MA Phil: Modul II; Modul X; AP Phil;
Ort:
Wien
Adresse:
Zentrum für Fernstudien Wien
Raum 211
Strozzigasse 2
1080 Wien

Telefon: +43 1 40474-0
Fax: +43 1 40474-248

E-Mail: wien@fernstudien.at
Homepage: https://www.fernstudien.at/wien
Termin:
06.11.2020 bis
08.11.2020
Zeitraum:
Fr: 16:15 Uhr – 19:45 Uhr
Sa: 10:15 Uhr – 20:30 Uhr
So: 10:15 Uhr – 14:30 Uhr
Leitung:
Dr. Maria Woschnak
Auskunft erteilt:
E-Mail: Dr. Maria Woschnak

Die Problematik des Tierschutzes stellt sich gegenwärtig vor dem Hintergrund von wissenschaftlich fundierter Technologie und Industriefolgen (Stichworte: artwidrige Massentierhaltung, durch Klimawandel provoziertes Artensterben etc.) und zeigt darüber hinaus im Zusammenhang mit sich verändernden Lebensbedingungen des Menschen ein sich wandelndes Verständnis des Tieres. Die Auffassungen reichen vom kultisch verehrten Wildtier bis hin zum Tier als bloße Ressource, die schonungslos gejagt, genutzt, verwertet, gentechnisch manipuliert oder ausgerottet wird.

Im Ausgang vom Begriff der Freiheit des Menschen stellt sich zugleich die Frage einer begründeten Freiheitsbeschränkung zugunsten des Tieres. Wie kann über ein reines Klugheitsgebot hinaus (z.B. die Artenvielfalt zu bewahren, um eine möglichst intakte Natur als Lebensgrundlage des Menschen zu erhalten) schlüssig nachgewiesen werden, daß das Tier als schützenswertes Wesen anzuerkennen ist? Im rationalen Nachweis einer Pflicht zum Tierschutz werden viele argumentative (und kontroverse) Wege beschritten, die im Rahmen des Seminars vorgestellt und diskutiert werden sollen. Die prinzipiellen Ansätze erstrecken sich von theozentrischen, anthropozentrischen bis hin zu biozentrischen und pathozentrischen Begründungsversuchen. Über diese grundsätzlichen Möglichkeiten hinaus soll die Thematik durch eine Auseinandersetzung mit einzelnen Positionen klassischer (Bentham, Kant, Schopenhauer) sowie moderner Autoren (Schweitzer, Singer, Wolf, Cohen etc.) reflektiert und in ihren Konsequenzen für den Umgang mit dem Tier durchdacht werden. In diesem Zusammenhang wird nicht zuletzt die Frage zu erörtern sein, ob es sinnvoll und zielführend ist, Tieren einen Schutzstatus durch die Zuerkennung eines Rechtsstatus zu gewähren.

Als ein Sonderfall im Rahmen der Tierschutzdiskussion zeigt sich der wissenschaftliche Tierversuch. Experimente mit dem Tier und am Tier nehmen unter Umständen nicht nur Schmerz, Qualen oder bleibende Schäden von Tieren in Kauf, die im Tierschutzgesetz unter Straftatbestände fallen, sondern werden zur Beantwortung von speziellen Forschungsfragen sogar provoziert, sodaß manche wissenschaftliche Vorgangsweise diametral gegen den Tierschutzgedanken agiert und Fragen nach der moralischen Legitimität aufwirft. Im Sinne einer kritischen Betrachtung dieses Problemfeldes wird daher die Bandbreite von Tierversuchen zu differenzieren sein: für welche Zwecke werden sie unternommen, gibt es zu ihnen Alternativen, und wie ist überhaupt das Schmerz- und Angstempfinden der Tiere einzuschätzen?

Voraussetzung für die Teilnahme am Seminar ist die Bereitschaft, ein Referat aus der untenstehenden Liste zu übernehmen. Es sollen zwei alternative Referatsvorschläge unterbreitet werden, um eventuelle Überschneidungen mit anderen Kursteilnehmern zu vermeiden. Es ist daher empfehlenswert, die Seminarleiterin unmittelbar nach der Anmeldung zu kontaktieren, um eine genauere thematischen Eingrenzung und Schwerpunktsetzung des Referates bzw. des zu referierenden Textabschnittes abzusprechen. (E-Mail Adresse: werner.woschnak@univie.ac.at). Das Referat sollte 20-25 Minuten dauern, eine Powerpoint-Präsentation ist nicht erforderlich, jedoch sollte ein Hand out (ein Thesenpapier von 1-2 Seiten) für die Kolleginnen und Kollegen, auch als Grundlage der nachfolgenden Diskussion, zur Verfügung gestellt werden.

Die Hausarbeiten können im Anschluß an das Referat ausgeführt werden, es ist aber auch möglich – nach vorheriger Absprache – ein alternatives Thema, das sich aus der Diskussion im Seminar ergeben hat, zu wählen.

Hinweis: Grundlage der Präsenzveranstaltung ist der Studienbrief "Tierschutzethik" (Kursnummer: 03372). Für Studierende des Moduls P2 ist der Kurs klausurrelevant.

Referatsthemen:

  1. Die Dialektik von Mensch und Tier nach Hegel, illustriert am Beispiel des Begriffs Aggression
  2. Die Bestimmung von Mensch und Tier nach dem Prometheus-Mythos in Platons Dialog Protagoras
  3. Der historische Wandel im Verständnis des Tieres anhand epochenspezifischer Unterschiede nach Otfried Höffe
  4. Die Symmetrie von Recht und Pflicht: Immanuel Kants Begründung des Tierschutzes im Paragraphen 17 der Metaphysik der Sitten
  5. Zum Begriff der Menschenwürde und die Problematik einer „Würde des Tieres“
  6. Albert Schweitzer: Die Ehrfurcht vor dem Leben als Fundament des Tierschutzes
  7. Alle Tiere sind gleich – sind alle Tiere gleich? Zum Unterschied von Mensch und Person nach Peter Singer
  8. Joel Feinbergs Plädoyer für Rechte von Tieren und zukünftiger Generationen
  9. Das Problem des Rechtsstatus von Tieren dargestellt an der Position von Carl Cohen
  10. Moralische Verpflichtung gegenüber Tieren bei Ursula Wolf
  11. Die Zweideutigkeit im Begriff Anthropozentrik und daraus resultierende unterschiedliche anthropozentrische Begründungsversuche für den Tier- und Artenschutz
  12. Der wissenschaftliche Tierversuch: seine Notwendigkeit aus wissenschaftlicher und seine moralische Erlaubtheit aus ethischer Perspektive

Literaturhinweise:

  • Birnbacher, Dieter (Hg.): Ökologie und Ethik, Stuttgart 1980.
  • Cohen, Carl: Warum Tiere keine Rechte haben, in: Texte zur Tierethik, hrsg. von Ursula
  • Wolf, Stuttgart 2008. (S. 51-55)
  • Feinberg, Joel: Die Rechte der Tiere und zukünftiger Generationen, in: Ökologie und Ethik, hrsg. von Dieter Birnbacher, Stuttgart 1980. (S. 140-179)
  • Heintel, Erich: Zum Begriff des Schönen in der Verhaltensforschung, in: Wiener Jahrbuch für Philosophie, hrsg. von Erich Heintel, Bd. IV, Wien-Stuttgart 1971. (S. 195-216)
  • Hoffmann, Thomas Sören: Menschenwürde – ein Problem des konkreten Allgemeinen, in: Menschenleben – Menschenwürde. Interdisziplinäres Symposium zur Bioethik, hrsg. von Walter Schweidler, Herbert A. Neumann und Eugen Brysch, Münster – Hamburg – London 2003. (S. 111-127)
  • Höffe, Otfried: Der wissenschaftliche Tierversuch: eine bioethische Fallstudie, in: Ethik der Wissenschaften? Philosophische Fragen, hrsg. von Elisabeth Ströker, 1984. (S. 117-150)
  • Höffe, Otfried: Moral als Preis der Moderne. Ein Versuch über Wissenschaft, Technik und Umwelt, Frankfurt am Main 1993.
  • Kant, Immanuel: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, in: Ders.: Gesammelte Schriften, hrsg. von der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1904 ff. (Bd. 4)
  • Kant, Immanuel: Die Metaphysik der Sitten, in: Ders.: Gesammelte Schriften, hrsg. von der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1904 ff. (Bd. 6)
  • Platon: Protagoras, in: Ders.: Werke in acht Bänden, gr.-dt., übers. von Friedrich Schleiermacher, hrsg. von Günter Eigler, Darmstadt 1973. (Bd. 1)
  • Schweitzer, Albert: Kultur und Ethik, München 11923, 1996.
  • Singer, Peter: Alle Tiere sind gleich, in: Naturethik. Grundtexte der gegenwärtigen tier- und ökoethischen Diskussion, hrsg. von Angelika Krebs, Frankfurt am Main 1997. (S. 13-32)
  • Singer, Peter: Rassismus und Speziesismus, in: Texte zur Tierethik, hrsg. von Ursula Wolf, Stuttgart 2008. (S. 25-32)
  • Spaemann, Robert: Technische Eingriffe in die Natur als Problem der politischen Ethik, in: Ökologie und Ethik, hrsg. von Dieter Birnbacher, Stuttgart 1980. (S. 182-206)
  • Wolf, Ursula: Haben wir moralische Verpflichtungen gegen Tiere?, in: Naturethik. Grundtexte der gegenwärtigen tier- und ökoethischen Diskussion, hrsg. von Angelika Krebs, Frankfurt am Main 1997. (S. 47-75)
  • Woschnak, Maria: Tierschutzethik (Studienbrief) [ Hinweis des Lehrgebietes: Der Studienbrief 033372: Tierschutzethik von Frau Dr. Maria Woschnak kann über den Virtuellen Studienplatz bestellt werden.]

Anmeldungen

Bitte melden Sie sich über die VU-Anmeldemaske an.


Falls Sie Probleme mit dem obigen Anmeldeverfahren über den Virtuellen Studienplatz haben, dann schicken Sie bitte eine E-Mail an Helge.Koettgen[at]fernuni-hagen.de .

Helge Köttgen | 19.06.2020