14. Studienwoche Literatur- und Medienwissenschaft 2020

Seminar: Literarisch-musikalische Tabubrüche zwischen 1750 und 1800

Leitung: Helge Kreisköther

Termine: Montag, 25. Mai bis Donnerstag, 28. Mai, jeweils von 17:15-18:45 Uhr

Raum: Wird noch bekannt gegeben.

Erläuterungen:

Tabus als intendierte Provokationen, Regelverstöße, Bloßstellungen etc. treten sowohl auf sprachlich-formaler als auch auf inhaltlich-stofflicher Ebene vielfach in der europäischen Literatur auf. Zwar sind bereits antike Dramen voller „Tabubrüche“ – obgleich der Begriff aus dem Polynesischen hier noch lange nicht gebräuchlich war –, ab Mitte des 18. Jahrhunderts manifestiert sich jedoch eine gewisse „Skandal“-Tradition des Aufbegehrens, Umwälzens und Regel-Übertretens. Ob Lyrik, Prosa oder Musiktheater: Möchte man exemplarische Werke aus verschiedenen Sprachräumen hinsichtlich ihrer Tabus bzw. Tabu-Überschreitungen näher untersuchen, bleibt die Auswahl demnach zwangsläufig subjektiv.

Aufgrund ihrer unmissverständlichen Aussagekraft beginnen wir in diesem interdisziplinär vergleichenden Seminar mit einer ersten „Definition“ des Tabus bei James Cook (die zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Sigmund Freud aufgegriffen und ausdifferenziert wird). Darauf-folgend stehen Sturm-und-Drang-Gedichte des jungen Goethe, die blutig-sexualisierten Romanreigen des Marquis de Sade, aber auch ein wahrscheinlich selten betrachtetes Werk auf dem Programm: Rameaus Ballettoper Les Indes galantes von 1735/36. Zwischen höfischen, gattungsspezifischen Traditionen auf der einen und mehr oder minder brutalen Paradig-menwechseln auf der anderen Seite soll somit nachgezeichnet werden, inwiefern Zeitgenossen diese extrem unterschiedlichen Schöpfungen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts als „Tabu-brüche“ avant la lettre interpretierten. Die genaue Lektüre der Texte bzw. bestimmter Passagen (Romane) wird dabei unerlässlich, im Falle von Rameau stehen wiederum eine Beschäftigung mit dem gesamten Plot und Szeneneindrücken im Fokus. Übersetzungen werden zur Verfügung gestellt.

Zur Vorbereitung (wird in Form von pdf-Scans bereitgestellt):

▪ Cook, James: Auszüge aus den Three voyages // Verarbeitung in Freuds Totem und Tabu

▪ Goethe, Johann Wolfgang: Prometheus / Ganymed

▪ Rameau, Jean-Philippe: Les Indes galantes (1735/36; 1761) – (musik)ästhetische „Regelverstöße“ in jedem Akt

▪ Sade, Donatien-Alphonse, Marquis de: Auszüge aus Justine (1787) und Die Philosophie im Boudoir (1795)

Anfragen zu dieser Veranstaltung richten Sie bitte an Helge Kreisköther.



Webredaktion | 13.01.2020