13. Studienwoche Literatur- und Medienwissenschaft 2018

Illustration

Jessica Güsken, M.A., und Fynn-Adrian Richter

Seminar: Der Mensch als Außenseiter? Posthumane Phantasien im Film


Termine: Montag, 4. Juni, bis Donnerstag, 7. Juni, jeweils 17:15 – 18:45 Uhr

Raum: Gebäude 3, Universitätsstr. 11, Raum F 009

Anmeldung: Bitte keine gesonderte Anmeldung! Teilen Sie bei Ihrer Anmeldung zur Studienwoche aber mit, ob Sie an dieser Veranstaltung teilnehmen wollen.

Erläuterungen:

In Zeiten moderner Biotechnologien, der Erfindung artifizieller Intelligenzen und fortschreitender prothetischer Erweiterung feiert der Mensch einerseits emphatisch sein technologisches Enhancement und seine künstliche Reproduzierbarkeit. Andererseits phantasiert er in Literatur und Film aber auch immer wieder sein Ende als vermeintlicher dominium terrae: Die über-menschlich perfekten technischen Artefakte rufen sowohl eine „anthropologische Ungewissheit“ (J. Baudrillard) hervor, wie sie auch eine „Antiquiertheit des Menschen“ (G. Anders) vor Augen stellen. In auffälliger Weise verknüpft sich dabei mit dem topischen Motivkomplex des künstlichen Menschen/der künstlichen Intelligenz – man denke etwa an Pygmalions Galatea oder Mary Shelleys Frankenstein – auch die Verhandlung darüber, ob der Mensch selbst in die Position eines Außenseiters gegenüber seinen Maschinen gerät.

Das Seminar widmet sich nun ausgewählten Filmen, die diese Außenseiter-Rolle reflektieren: So inszeniert Ridley Scott mit seinem stilbildenden Film Blade Runner (USA/Hongkong/GB, 1982) ein dystopisches Szenario, in dem der Mensch von seinen eigenen Schöpfungen (Replikanten) bedroht wird und stellt zugleich die Frage, ob diese Replikanten nicht gar ‚menschlicher als der Mensch‘ seien. In Spike Jonzes Her (USA, 2013) verliebt sich der Protagonist in sein Operating System (OS), muss aber nach einer Zeit ungebrochener Zweisamkeit mehr und mehr feststellen, dass seine Geliebte in einer digitalen Welt unbekannter Ausmaße millionenfache Beziehungen (er)lebt, zu der er als Mensch keinen Zugang haben kann. Alex Garlands Kammerspiel Ex Machina (GB, 2015) behandelt auf diegetischer Ebene eine Neuauflage des Turing-Tests, der die Grenzen zwischen Mensch und Android zu bestimmen versucht – und mündet in einer katastrophisch zu nennenden Überwindung des Menschen.

Eine These von Ursula K. Heise abwandelnd kann man sagen, der Mensch erfinde sich in solchen posthumanen Szenarien als Außenseiter neu. Darüber hinaus aber stellen diese Ausgestaltungen gerade ein solches dichotomisches Denken aus und damit auch in Frage, und tragen so dem „Posthumanismus als Theorie-Paradigma“ (S. Herbrechter) Rechnung. So problematisieren jene Filme nämlich gleichzeitig tradierte anthropologische Gemeinplätze, wie z. B. diejenige Bestimmung des Menschen als homo faber, oder Kategorien wie ‚das Menschliche‘ an sich und erproben ein Denken einer gemeinsamen Verschränkung von menschlichen und nicht-menschlichen Akteuren – einer neuartigen „Anthropomedialität“ (C. Voss/L. Engell).

Aus medienästhetischer, kultur- und filmwissenschaftlicher Perspektive wird im Seminar also nach der Inszenierung jenes Außenseiterstatus zu fragen sein: Wie wird vom ‚Außenseiter Mensch‘ erzählt, und kann er überhaupt als solcher in Szene gesetzt werden, d. h. auf der Leinwand zu sehen sein? Inwiefern wird die Narration dabei auch an nicht-menschliche Erzählinstanzen gekoppelt? Wie wird das der Rede vom Außenseiter immer schon eingeschriebene Verhältnis von Innen und Außen topographisch gestaltet? Und wie werden die Kategorien des Menschlichen und des Technischen aufgerufen, wo werden sie unterlaufen und damit problematisch?

Die Teilnahme am Seminar setzt voraus, dass alle Teilnehmer*innen zuvor folgende Filme im Ganzen gesehen haben, die im Seminar gemeinsam anhand von Ausschnitten besprochen werden:

  • BLADE RUNNER (R. Scott, USA/Hongkong/GB 1982)
  • HER (S. Jonze, USA 2013)
  • EX MACHINA (A. Garland, GB 2015)

Zur Vorbereitung auf die Seminardiskussion werden entsprechende Theorietexte den Teilnehmenden rechtzeitig per E-Mail bekannt gegeben.

Zur Einführung in den Diskurs über das Posthumane empfohlen:

  • Rosi Braidotti: Posthumanismus. Leben jenseits des Menschen. Frankfurt/New York: Campus, 2014.
  • Stefan Herbrechter: „Kritischer Posthumanismus“, in: Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung (ZMK) 7, 1, 2016. S. 61-67.
  • Stefan Herbrechter: Posthumanismus. Eine kritische Einführung. Darmstadt: WBG, 2009.

Anfragen zu dieser Veranstaltung richten Sie bitte an:
fynn-adrian.richter@fernuni-hagen.de