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Logikgeschichte modern interpretiert

[20.12.2019]

Ein internationaler Workshop in Brasilien, organisiert von FernUni-Forscher PD Dr. Jens Lemanski, blickte auf historische Logiken und ihre Bedeutung für die heutige Forschung.


Bild von Vortragendem Foto: Jens Lemanski
Prof. Ingolf Max (Universität Leipzig) präsentierte die Key-Note des Workshops.

Lange Zeit galt die Logikgeschichte als eine überholte Disziplin, die nichts mehr zu aktuellen Entwicklungen und Ideen beiträgt. Zu groß schien die Kluft zur Logik des 20. Jahrhunderts mit ihren Neuerungen. In den letzten Jahrzehnten hat sich diese Sichtweise jedoch geändert: Die Forschung hat gezeigt, dass alte Logiken noch immer enormes Potenzial besitzen. Einen internationalen Workshop zum Thema „History of Logic and its Modern Interpretation“ gestaltete jetzt PD Dr. Jens Lemanski (Lehrgebiet Philosophie I, Prof. Hubertus Busche). Den Rahmen hierfür bildete der Weltkongresses „Creativity 2019“ in Brasilien.

Veranstaltungsort des zweitägigen Treffens, das der FernUni-Forscher zusammen mit der Brasilianischen Akademie der Philosophie organisiert hatte, war die Universität in Rio de Janeiro. Eingeladen waren 16 Vortragende aus Deutschland, Brasilien, Argentinien, USA, Griechenland, Türkei und England, die in drei Sektionen moderne Interpretationen historischer Logiken präsentierten oder die Methoden der Logikgeschichtsschreibung untersuchten.

Programm entlang der Geschichte

Der Ablauf folgte dabei der Geschichte der Logik: Am ersten Tag ging es zunächst um die Antike – und damit vor allem um Aristoteles und neuplatonische Logiker. Keynote Speaker Prof. Dr. Ingolf Max von der Universität Leipzig präsentierte anschließend eine moderne Interpretation des aristotelischen Urteilsquadrats. Die Sektion zum Mittelalter und zur frühen Neuzeit begann mit einem Vortrag zum englischen Logiker Robert Kilwardby (13. Jahrhundert) und endete mit einem Beitrag zur Logik Arthur Schopenhauers (19. Jahrhundert).

Sammelband in Arbeit

Am zweiten Kongresstag diskutierten die Teilnehmenden logische Theorien des frühen 20. Jahrhunderts und deren Relevanz für die aktuelle Forschung. Die Vortragenden, die aus den Disziplinen Philosophie, Linguistik, Mathematik und Kulturwissenschaft stammten, waren sich einig, dass es noch zahlreiche Entdeckungen in der Geschichte der Logik gibt, die auch für die heutige Forschung Relevanz besitzen. Ein umfangreicher Sammelband mit diesen und weiteren Beiträgen zur modernen Interpretation historischer Logiken soll Ende 2020 veröffentlicht werden.

Benedikt Reuse | 20.12.2019