Gendersensible Kommunikation

Sprache spielt im Alltag eine große Rolle. Sie ist – ob gesprochen, in Form von Texten oder als Körpersprache – die zentrale Kommunikationsform zur Vermittlung und Verständigung. Sprache stellt Beziehungen zwischen Personen her. Sie konstruiert Wirklichkeit, bildet die soziale Realität ab und prägt unsere Wahrnehmung. Sie transportiert Normen, Ideen und Vorstellungen und prägt so unser Bewusstsein. Dinge, für die wir Worte haben, können wir uns besser vorstellen. Wie Wirklichkeit beschrieben wird, z.B. eine Person oder ein Beruf, hat großen Einfluss darauf, wie wir diese Wirklichkeit wahrnehmen und was wir glauben, darin bewirken zu können.

Welche Bilder haben Sie vor Augen, wenn Sie Formulierungen wie "Tutoren gesucht" oder "talentierte Nachwuchswissenschaftler" lesen oder hören?

Sprache macht Geschlecht sichtbar bzw. unsichtbar. Soziale Ungleichheiten werden durch sie transparent, aber womöglich auch weiter tradiert. Ziel ist daher eine inklusive und neutrale Sprache, um möglichst alle Geschlechter mit einzubeziehen.


Drei Gründe, eine gender- und diversitätsbewusste Sprache zu verwenden:

  • Sichtbarkeit herstellen: Die Anwesenheit und die Leistungen aller Mitglieder der Universität anerkennen und auch sprachlich abbilden.
  • Alle ansprechen: Studierende und andere Mitglieder der Universität so adressieren, dass sich alle wahrgenommen und wertgeschätzt fühlen.
  • Stereotype Darstellung und Diskriminierung vermeiden: Eine Sprache verwenden, die Menschen nicht verletzt, herabsetzt oder als „exotisch“ darstellt, sondern wertschätzt und anerkennt.

Darüber hinaus ist eine geschlechtergerechte Sprache, die alle Geschlechter mit einbezieht, im Landesgleichstellungsgesetz NRW verankert:

In der internen wie externen dienstlichen Kommunikation ist die sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern zu beachten.

§4, Satz 2 LGG NRW

Genderbewusste Sprache

99 Sängerinnen und ein Sänger sind zusammen 100 Sänger

Luise F. Pusch, 1990

Wenn in gesprochener oder geschriebener Sprache ausschließlich die männliche Form (das generische Maskulinum) verwendet wird, entsteht bei Zuhörenden oft der Eindruck, dass es sich bei den beschriebenen Personen ausschließlich um Männer handelt.

Auch empirisch konnte belegt werden, dass die Vorstellung von Wirklichkeit, die durch die Verwendung des generischen Maskulinums erzeugt wird, Frauen nicht konsequent beinhaltet. Stefanowitsch 2011, VerveckenHannover 2015

Auf diese Weise werden Frauen - und deren Leistungen - nicht erkennbar, sondern nahezu unsichtbar. Im Hochschul- und Wissenschaftssystem ist eine eindeutige Nennung von Frauen besonders hinsichtlich deren Vorbildfunktion von Bedeutung.

Inter*, trans und nicht-binäre Personen erleben darüber hinaus an Hochschulen spezifische Hürden und Ausschlussmechanismen.

Im Rahmen des »Non-Binary Universities« - Projekts der Akademie der bildenden Künste Wien wurden zwei Broschüren veröffentlicht, die als Orientierungs- und Argumentationshilfen für Lehrende, Studierende und andere Hochschulangehörige dienen können:

https://www.akbild.ac.at/Portal/universitaet/uber-uns/frauenfoerderung-geschlechterforschung-diversitaet/non-binary-universities/NonBinaryUniversitiesVADEMEKUM_AkademiederbildendenKunsteWien_2019.pdf

https://www.akbild.ac.at/Portal/universitaet/uber-uns/frauenfoerderung-geschlechterforschung-diversitaet/non-binary-universities/non-binary-uni-accessible-300ppi.pdf

 

Genderbewusste Alternativen zum generischen Maskulinum

Es gibt nicht eine richtige Lösung für gender- und diversitätsbewusste Sprache. Im Folgenden erfahren Sie, worauf Sie achten sollten und lernen verschiedene Möglichkeiten des kreativen Gebrauchs von Sprache kennen, die alle Adressierten benennt. Geschickte und inklusive Formulierungen zu finden hat auch viel mit Routine zu tun und fällt mit der Zeit immer leichter.

  • Eine gute und auch textsparsame Möglichkeit geschlechterbewusster Formulierung ist die Verwendung substantivierter Partizipien. Sie ist vor allem im Plural leicht verwendbar. Im Singular empfehlen sich andere Formulierungen.


    Beispiele:

    • Die Universitäts-KiTa steht allen Mitarbeitenden und Studierenden der Universität zur Verfügung.

    • Lehrende können sich jetzt für das Weiterbildungsprogramm im Sommersemester anmelden.

    • Interessierte wenden sich bitte an die Koordinationsstelle.

  • Viele Menschen wollen oder können sich einer Norm von nur zwei Geschlechtern nicht zuordnen und werden mit Formulierungen wie „Bewerberinnen und Bewerber“ nicht korrekt adressiert. Der Unterstrich (Gender-Gap) bzw. das Sternchen bietet die Möglichkeit, nicht nur Frauen und Männer, sondern auch Trans*- und Inter*-Personen und all jene gesellschaftlichen Positionen sichtbar zu machen, die jenseits von männlich und weiblich existieren. Beide Formen werden mit einem „Glottalem Stopp“ gesprochen, einer kurzen Pause dort, wo sich Unterstrich oder Sternchen befinden.


    Beispiele:

    • Sehr geehrte Professor*innen

    • [Vorname, Nachname] ist Mitarbeiter_in unserer Arbeitsstelle.

    • Alle teilnehmenden Student*innen erhalten eine Bestätigung.

  • Eine andere Möglichkeit, Personen zu bezeichnen, ohne Aussagen über ihre geschlechtliche Zuordnung zu treffen, sind Benennungen der Funktion, in der Personen etwas tun. So bietet es sich an, Erweiterungen wie „-kraft, -hilfe, -person, -ung, -leute“ zu verwenden.


    Beispiele:

    • [Vorname, Nachname], Mitglied der Auswahlkommission, trat nach der Sitzung vor die Presse.

    • Personen, die sich beworben haben, erhalten umgehend eine Bestätigung.

    • Die Seminarleitung führt eine Redeliste.

    • In diesen Feldern gibt es eine Fülle an qualifizierten Fachleuten.

    • Für die Promotion brauchen Sie zunächst eine geeignete Betreuung.

    • Informationen erhalten Sie bei der Leitung des Dual Career Service.


    Literatur:
    Zentrale Frauenbeauftragte der Freien Universität Berlin. 2013. Geschlechtergerecht in Sprache und Bild – Ein Leitfaden.
  • Wenn ausschließlich über Frauen gesprochen oder geschrieben wird, sollte das auch in der Formulierung zum Ausdruck kommen. Grammatikalisch geboten und korrekt ist es dann, dass das Wortgeschlecht und die gemeinte Person übereinstimmen.


    Beispiele:

    • Frau Meinhart ist Professorin der Physik

    • Als Sprecherin begrüßen wir Frau Soluch und als Sprecher Herrn Dellilo. Oder: Wir begrüßen herzlich Frau Soluch und Herrn Dellilo, die heute zu folgenden Themen sprechen werden: ...

    • Projektleiterin ist Frau Obua, ihre Mitarbeiterin Frau Ziolkowska ist verantwortlich für die Finanzkalkulation, ihr Mitarbeiter Herr Degener ist zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit.

  • Wenn zugleich sowohl über Frauen als auch über Männer gesprochen wird oder werden könnte, sollte dies auch im Text zum Ausdruck kommen. Denn Frauen sollen nicht nur 'mitgemeint' werden, sondern explizit sichtbar werden.


    Beispiele:

    • Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter | Liebe Mitarbeiterin, lieber Mitarbeiter

    • Expertinnen und Experten stehen Ihnen mit Rat und Tat zur Seite.

    • Bitte lassen Sie den Antrag von Ihrem Betreuer oder Ihrer Betreuerin unterschreiben


    Alternativ können beim Sprechen über Frauen und Männer auch kürzere Formen mit Schrägstrich oder Binnen-I eingesetzt werden. Sie eignen sich für die schriftliche und die mündliche Kommunikation. Gesprochen werden diese üblicherweise mit einem „Glottalem Stopp“, einer kurzen Pause dort, wo sich der Schrägstrich oder das Binnen-I befinden. Das bedeutet, dass sich diese Formen in der Aussprache nicht von der Schreibweise mit Unterstrich oder Sternchen unterscheiden. Deshalb werden sie auch manchmal nur für geschriebene Texte verwendet und mündlich in die weibliche und männliche Form aufgelöst.


    Beispiele:

    • Ein/e Wissenschaftler/in
    • Die Forscher/innen
    • Ein/e DoktorandIn
    • alle BewerberInnen
  • Umformulierungen oder einleitende Nebensätze können genutzt werden, um eine eindeutige sprachliche Geschlechtszuordnung zu vermeiden.
    Unpersönliche Pronomen wie „Wer“, „Wenn“, „Alle, die...“, „Diejenigen, die...“ sowie die direkte Anrede und Passivformulierungen können dafür genutzt werden. Auch die Verwendung des Plurals ist in vielen Fällen hilfreich.


    Beispiele:

    • Wenn Sie ein Stipendium erhalten, müssen Sie Ihre Leistungsnachweise in jedem Semester vorlegen.

    • Das Dokument wird Ihnen zum Download zur Verfügung gestellt.

    • Ihr Name, Ihre Unterschrift

    • Die Namen aller Personen, die zur Prüfung zugelassen sind, werden öffentlich bekannt gegeben.

    • Herausgegeben von…

Entnommen aus der Gender Toolbox der FU Berlin.

Version April 2018. Soweit nicht anders gekennzeichnet, ist dieses Werk unter einer Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz lizensiert.

Gleichstellungsstelle | 14.02.2020