Call for Papers & Save the date: ‚Jugend und ihre pädagogischen Institutionen‘ 25./26. Juni 2020, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Call for Papers & Save the date

Zur Tagung ‚Jugend und ihre pädagogischen Institutionen‘– Zwischen Normierung und Ermöglichung an der Martin-Luther-Universität in Halle am 25. und 26. Juni 2020

Achtung: Die Tagung findet an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg statt!

Jugend ist historisch ein Produkt der zunehmenden gesellschaftlichen Institutionalisierung, wie auch eine ihrer schärfsten Kritikerinnen. So gelten die Einführung der Schulpflicht, die Herausbildung beruflicher Ausbildungssysteme sowie die Etablierung von Jugendverbänden und -organisationen als historischer Kontext der Entstehung von Jugend als strukturell eigenständige Lebensphase. Insbesondere in einem Verständnis von Jugend als von gesellschaftlichen Aufgaben entlasteter sozialer Zusammenhang des Ausprobierens und der eigenständigen Positionierung (Moratorium) stehen Jugendinstitutionen im Spannungsfeld, Jugend nicht nur strukturell, sondern auch in ihrem Eigensinn einerseits zu ermöglichen und sie andererseits gesellschaftsfähig zu machen und damit in die vorgegebene kulturelle Ordnung einzupassen. Nicht umsonst hatte der aktuell fast ausschließlich im Kontext von Zuwanderung benutzte Integrationsbegriff einmal eine andere Zielgruppe: Jugendliche und junge Erwachsene sollten qua jugendspezifischer Institutionen an gesellschaftlichen Prozessen teilhaben können, sich sozialen Strukturen jedoch gleichzeitig in ihrem Werden und ihrer Kritik unterwerfen. Historisch gesehen gilt es als ein Strukturmerkmal von Jugend, sich kritisch gegenüber pädagogischen Institutionen und den durch sie ausgeübten Zwängen wie auch gegenüber gesellschaftlichen Verhältnissen im Allgemeinen zu positionieren. Dies geschieht in ästhetischen Ausdrucksformen, durch widerständige Praktiken, Nonkonformität und Devianz ebenso wie in institutionalisierten Formen der Partizipation und Mitbestimmung. Nicht zuletzt diese Positionierungen gelten als gesellschaftliche Gestaltungsoption junger Menschen auch gegenüber pädagogischen Institutionen.

Die geplante Tagung nimmt das Verhältnis zwischen pädagogischen Institutionen und Jugend aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive in den Blick. Eingereicht werden können Beiträge, die sich diesem Gegenstandsfeld unter anderem aus folgenden Perspektiven widmen:

  • Beiträge, die in historischer Perspektive die Herausbildung von Jugend als Lebensphase und die Etablierung pädagogischer Institutionen in ihrer Interdependenz beleuchten und als wechselseitiges Konstitutions- und Bedingungsverhältnis analysieren;
  • Beiträge zu jugendtheoretischen Entwürfen oder entsprechende Projekte, die die pädagogische Institutionalisierung junger Menschen in unterschiedlichen Formen aufgreifen und damit verschiedene Perspektiven auf die Bedeutung von Institutionen für das Jugendalter insgesamt bzw. die Verfasstheit von Jugend als Lebensphase entwerfen;
  • Beiträge, die Veränderungen in zeitlich-räumlichen Arrangements von Jugend in den Blick nehmen;
  • Beiträge, die nach der Rolle der Erziehungswissenschaft für die Konstruktion von Jugend fragen;
  • Beiträge, die danach fragen, wie junge Menschen auf Institutionen Bezug nehmen, wie sie in Institutionen als Akteure konstituiert werden oder sich selbst als Akteure konstituieren.

Die Tagung ist auf maximal 80 Teilnehmer*innen begrenzt, da sie als Diskussionsforum geplant wird. Das Tagungsprogramm wird im Februar 2020 veröffentlicht.

Abstracts für Vorträge oder Poster im Umfang von max. 1.000 Zeichen inkl. Leerzeichen können bis zum 15.11.2019 unter der Emailadresse (E-Mail: jugendforschung) eingereicht werden.

Die Initiator*innen:

Karin Bock (Dresden)
Cathleen Grunert (Halle)
Nicolle Pfaff (Duisburg-Essen)
Wolfgang Schröer (Hildesheim)

Andreas Kempka | 11.02.2020